{"id":927,"date":"2017-08-06T21:48:32","date_gmt":"2017-08-06T20:48:32","guid":{"rendered":"http:\/\/emhuisken.de\/wordpress\/wort\/?p=527"},"modified":"2023-07-06T19:35:18","modified_gmt":"2023-07-06T18:35:18","slug":"wer-ist-friese","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/emhuisken.de\/wordpress\/2017\/08\/wer-ist-friese\/","title":{"rendered":"Wer ist Friese?"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"https:\/\/emhuisken.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/927?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/emhuisken.de\/wordpress\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Print Content\" \/><span class=\"pdfprnt-button-title pdfprnt-button-print-title\">F\u00fcr l\u00e4ngere Texte empfehle ich vorherigen Ausdruck<\/span><\/a><\/div><h6>Friesische Identit\u00e4t heute<\/h6>\n<div id=\"attachment_529\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/emhuisken.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Upstalsboom.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-529\" class=\"wp-image-529 size-medium\" src=\"http:\/\/emhuisken.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Upstalsboom-300x200.jpg\" alt=\"UPSTALSBOOM\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-529\" class=\"wp-caption-text\">Upstalsboom in Aurich-Rahe<\/p><\/div>\n<p>Wer heute in welcher Weise auch immer Untergruppen der Gesamt-Menschheit beschreiben und von anderen Untergruppen abgrenzen will, begibt sich auf ein unsicheres Pflaster. Werden doch nur allzu leicht derartige Beschreibungen herangezogen, um irgendwelche \u201eQualit\u00e4tsunterschiede\u201c, \u201eRangordnungen\u201c oder dergleichen Stufungen unter Menschen zu konstatieren, die dann ebenso leicht genutzt werden k\u00f6nnen, um Herrschaftsverh\u00e4ltnisse unter Menschen zu installieren, zu begr\u00fcnden und aufrecht zu erhalten. Und dagegen hat heutzutage ein gesund empfindender Mensch eine ebenso gesunde Abneigung. Wer also irgendwelche Menschengruppen zu differenzieren versucht, kann schnell zur Zielscheibe derjenigen werden, die f\u00fcr ihre Art zu leben \u2013 als eine Art Gegenbild ihrer selbst, des \u201emodernen Zeitgenossen\u201c &#8211; immer die Ewiggestrigen brauchen, die eigentlich nur da sind um zu zeigen, wie fortschrittlich und auf der H\u00f6he der Zeit man selber ist.<br \/>\nAber dennoch: es gibt ja die Unterschiede, und die lassen sich nicht wegleugnen: Geschlecht, Herkunft, Ethnie, religi\u00f6se und sonstige Grundhaltungen und vieles andere sind unter den Menschen verschieden. Wer das leugnen wollte, bewegte sich au\u00dferhalb der Tatsachen.<br \/>\nAllerdings: irgendwelche Rangordnungen definieren solche Unterschiede nicht, das tun erst die Menschen, die solche Unterschiede nutzen, um sich selbst \u00fcber andere zu setzen. Das tun im \u00dcbrigen die eben charakterisierten \u201emodernen Zeitgenossen\u201c auch, in besonders perfider Art und Weise sogar.<br \/>\nNur so \u2013 ohne irgendwelche Herrschaftsverh\u00e4ltnisse oder Rangordnungen unter Menschen damit begr\u00fcnden zu wollen \u2013 soll hier also versucht werden zu umrei\u00dfen, wie \u201efriesische Identit\u00e4t\u201c heute vielleicht aufgefasst werden kann. Dass gerade diese Art der Charakterisierung dem beschriebenen Inhalt \u2013 der \u201efriesischen Identit\u00e4t\u201c &#8211; in besonderer Weise entspricht, wird sich dabei zeigen.<\/p>\n<h6>\u201eIdentit\u00e4t\u201c kann heute nur kulturell gefasst werden<\/h6>\n<p>Wer heute die \u201eIdentit\u00e4t\u201c eines Menschen oder einer Menschengemeinschaft charakterisieren will, kann dies meiner Ansicht nach nur, indem er sie als Ausdruck von Kultur versteht. \u201eKultur\u201c hier allerdings nicht verstanden im Sinne eines \u201esch\u00f6ngeistigen Sahneh\u00e4ubchens\u201c zur Verzierung der eigentlich wichtigen harten Realit\u00e4ten (Herrschaftsverh\u00e4ltnisse, wirtschaftliche Verh\u00e4ltnisse etc.), sondern Kultur verstanden als Gesamtheit der \u00c4u\u00dferungen des menschlichen Geistes. Dann sind n\u00e4mlich alle anderen Verh\u00e4ltnisse \u2013 wirtschaftliche und rechtliche insbesondere \u2013 ebenso Ausflu\u00df dieser Kultur wie Kunst, Wissenschaft und Religion. Denn der menschliche Geist wirkt in all diesen Lebensbereichen.<br \/>\nWer also heute von einer gemeinsamen \u201eIdentit\u00e4t\u201c innerhalb einer Menschengemeinschaft sprechen will, muss dann versuchen, die Leitlinien derjenigen Kultur zu umschreiben, deren Ausdruck diese besondere \u201eIdentit\u00e4t\u201c ist. Damit betritt man ein Feld gleichsam \u00fcberzeitlicher Werte, deren Ausdruck \u2013 die \u201eIdentit\u00e4t\u201c &#8211; jeweils zeitgebundene Formen annehmen kann, die aber allesamt dennoch immer auf die selben ewigen Werte zur\u00fcckverweisen.<\/p>\n<h6>Der Kern friesischer Kultur ist die Freiheit<\/h6>\n<p>Auf dieser Grundlage scheint es mir statthaft zu sagen, dass der Kern friesischer Kultur, ihr leitendes Ideal sozusagen, in der Freiheit jedes einzelnen Menschen liegt. Diese Freiheit des Menschen ist ja etwas, nach dem heute mehr oder weniger bewu\u00dft jeder Mensch strebt.<br \/>\nManche mittelalterliche Lebensweisen der Friesen, ihre Rechtssatzungen, ihre gesellschaftlichen Handhabungen \u2013 soweit wir heute davon wissen \u2013 scheinen f\u00fcr uns Heutige Verhei\u00dfungen einer fernen, besseren Zukunft zu sein. Ganz sicher sind die realen Verh\u00e4ltnisse damals so ideal nicht gewesen, wie sie uns aufgrund von \u00dcberlieferungen heute erscheinen m\u00f6gen. Dennoch \u2013 und das wird gerade durch die teilweise idealisierende \u00dcberlieferung deutlich \u2013 sind sie der damals m\u00f6gliche Ausdruck des idealen Freiheitskernes friesischer Kultur gewesen. Als solche k\u00f6nnen sie auch uns Heutigen leuchten und Wege zeigen. Und in diesem Sinne ist auch ehrendes Gedenken hilfreich und w\u00fcnschenswert: nicht als \u00dcberh\u00f6hung eines Fr\u00fcheren \u00fcber das Heute, sondern als freies Anerkennen friesischer Identit\u00e4t in ihrer damals m\u00f6glichen Form.<br \/>\nWer das Alt-Hergebrachte \u00fcber das Heute (und damit auch \u00fcber sich selbst) setzt, ist nicht frei; er unterwirft sich ohne Not. Das w\u00e4re dem angesprochenen Freiheitsideal nicht angemessen. Der freie Friese ehrt und achtet die freien Friesen damals wie heute \u2013 frei.<\/p>\n<h6>Jede besondere Kultur braucht ihre besonderen Ausdrucksformen<\/h6>\n<p>Ihren Ausdruck gefunden hat die friesische Identit\u00e4t in der Vergangenheit ganz wesentlich durch ihre Sprache, und sie tut es \u2013 zum Teil \u2013 noch heute, oder heute wieder. Dabei ist allerdings im Vergleich zu anderen Kulturstr\u00f6mungen Europas ein gravierender Unterschied auszumachen: die schriftlich \u00fcberlieferten Dokumente der alten friesischen Sprache umfassen kaum k\u00fcnstlerische oder religi\u00f6s-mythische Texte, sondern ganz \u00fcberwiegend Rechtssatzungen. Wer daraus schlie\u00dfen wollte, dass es Sprach- und Gesangskunst, Kultus und Mythos bei den damaligen Friesen nicht gegeben habe, schlie\u00dft meiner Ansicht nach zu kurz. Die Dinge sind m\u00f6glicherweise nur nicht schriftlich festgehalten worden, weil die Schriftkultur als solche als eine der Rechtssatzungen angesehen wurde.<br \/>\nDie vielfach \u00fcberlieferte Sage von der Entstehung der \u201eFriesischen Freiheit\u201c mit gleichsam g\u00f6ttlicher Hilfe gibt davon ein sprechendes Bild.<br \/>\nDarin werden die zw\u00f6lf gew\u00e4hlten Richter (Asegen) von K\u00f6nig Karl (sp\u00e4ter dem Gro\u00dfen) nach den Gesetzen gefragt, nach denen sie Urteile sprechen. Diese konnten sie ihm nicht sagen, so hei\u00dft es in der Sage, sie bitten um Aufschub, machen echte Not geltend, doch nichts hilft \u2013 es f\u00e4llt ihnen nichts bei, was sie dem K\u00f6nig sagen k\u00f6nnten.<br \/>\nEine solche Situation l\u00e4\u00dft sich ausgehend von Ideal des freien Menschen erkl\u00e4ren. Wer n\u00e4mlich als freier Mensch im Vertrauen einen anderen Menschen zu seinem Richter w\u00e4hlt, diesem anderen damit Entscheidungsbefugnis \u00fcber sich selbst in Streitf\u00e4llen einr\u00e4umt, bleibt ungeschm\u00e4lert frei. Denn er hat diesen Richter gew\u00e4hlt, das ist und bleibt die eigene Tat. Das Verh\u00e4ltnis zwischen den Menschen bleibt auf Augenh\u00f6he \u2013 frei.<br \/>\nSind aber beide \u2013 der W\u00e4hlende ebenso wie der Gew\u00e4hlte \u2013 ein und demselben von vornherein feststehenden Gesetz unterworfen, so sind beide unfrei, denn es gibt etwas, dem sie ohne es frei gew\u00e4hlt zu haben Folge zu leisten haben.<br \/>\nDas kodifizierte, abstrakte, dem Menschen \u00fcbergeordnete Recht als solches ist kulturgeschichtlich gesehen ja ein Kind des R\u00f6mertums. Und die Sage ist insofern sprechend: das gab es offenbar vor dieser Begegnung mit dem R\u00f6mertum in Karl dem Gro\u00dfen bei den Friesen nicht. M\u00f6glicherweise urteilten die gew\u00e4hlten Richter aufgrund ihrer besonderen Eignung aus ihrem Rechtsgef\u00fchl unter Einbeziehung von ihnen bekannten F\u00e4llen der Vergangenheit \u2013 aber ohne schriftlich festgelegte Rechtssatzungen.<br \/>\nIn unserer Zeit scheint so etwas schwer vorstellbar. Allerdings: Rechtssatzungen werden gerade in unserer Zeit mehr und mehr zum mal mehr, mal weniger von Wirtschaftsakteuren beeinflu\u00dften Herrschaftswerkzeug. Nur zu oft wehrt sich verletztes Rechtsgef\u00fchl heute gegen die Rechtssatzungen, die Bestehendes so festzurren wollen, dass Neues kaum noch eine Chance hat, in die gesellschaftliche Realait\u00e4t einzudringen. Alles liegt fest, und statt mutiger, freier Schritte voraus erleben wir einen untauglichen Reparaturversuch am Bestehenden nach dem anderen. Jede Rechtssatzung kann nur so gut sein wie die Menschen, die sie zu realisieren haben. Das gilt auch bei der freien Wahl seines Richters.<br \/>\nGewiss, der Rechtsstaat ist eine Errungenschaft, die wir nicht missen k\u00f6nnen. Dennoch \u2013 sind seine Formen zeitgem\u00e4\u00df? Passen sie noch zum doch ohne Zweifel zeitgem\u00e4\u00dfen Freiheitsideal?<br \/>\nUm hier einmal andere M\u00f6glichkeiten zu durchdenken, ohne sich im Geiste von vornherein unverr\u00fcckbare Grenzen aufzurichten \u2013 daf\u00fcr kann ein Blick auf diese alte Sage von der friesischen Freiheit Anla\u00df sein.<br \/>\nIm weiteren Verlauf der Geschichte erscheint eine gleichsam g\u00f6ttliche Gestalt, die die zw\u00f6lf Asegen vor dem Tode bewahrt und ihnen das R\u00fcstzeug vermittelt, K\u00f6nig Karl zu sagen, was er h\u00f6ren will. Und der (der ja Vertreter ist des damals gerade aufsteigenden Impulses des \u201eHeiligen R\u00f6mischen Reiches\u201c, und der mit Feuer und Schwert Germanien christianisiert!), ja, dieser K\u00f6nig Karl l\u00e4\u00dft aufschreiben, was die zw\u00f6lf Asegen ihm sagen.<br \/>\nAus meiner Sicht ist diese Sage ein Wahrbild f\u00fcr diesen gewaltigen Umschwung von der alten friesischen Gesellschaft, in der m\u00fcndliche \u00dcberlieferung offenbar tragend war, zur r\u00f6misch gepr\u00e4gten und in Schriftdokumenten gefa\u00dften Gesellschaft des sp\u00e4teren \u201eHeiligen R\u00f6mischen Reiches\u201c.<br \/>\nUnd das Dokument, das dabei entstanden ist, ist dann gleichzeitig eines, das von der eigentlichen Kunst der Friesen spricht: von der Kunst eines vom Freitheitsimpuls getragenen Zusammenlebens in der mittelalterlichen friesischen Gesellschaft. Das war wohl die damalige Form des Ausdrucks friesischer Kultur. Sie sprach sich offenbar nicht aus in langen mythisierenden Epen und Gedichten, sondern im Gestalten des realen Zusammenlebens. Jedenfalls w\u00e4re so erkl\u00e4rlich, warum es (fast) keine Schrift\u00fcberlieferungen in friesischer Sprache aus dieser Zeit gibt au\u00dfer Rechtssatzungen.<\/p>\n<h6>Die Sprache ist Ausdruck der Kultur<\/h6>\n<p>Jede Sprache in ihren differenzierten Formen ist Ausdruck einer besonderen Sicht auf die Welt. Etymologisch teilweise fa\u00dfbare Wortzusammenh\u00e4nge, Gef\u00fchlswerte, die sich mit Lauten und ihren Abfolgen verbinden, Melodie und Betonung geben jeder Beschreibung der Welt je nach verwendeter Sprache eine eigene F\u00e4rbung und heben mal diesen, mal jenen Aspekt einer Sache in den Vordergrund. Ein Beispiel m\u00f6ge das verdeutlichen: das deutsche Wort \u201eKopf\u201c f\u00fcr den obersten K\u00f6rperteil des Menschen hebt in bestimmter lautmalerischer Weise die \u00e4u\u00dfere Form des gemeinten Gegenstandes hervor; deswegen kann dasselbe Wort auch f\u00fcr andere Gegenst\u00e4nde \u00e4hnlicher Form und Anordnung verwendet werden (z.B. \u201eKohlkopf\u201c). Das franz\u00f6sische \u201et\u00eate\u201c hebt etwas ganz anderes in den Vordergrund: die urteilende Funktion beim Menschen (Zusammenhang des Wortes mit lateinisch \u201etestare\u201c &#8211; \u201eurteilen\u201c). Ein und derselbe K\u00f6rperteil des Menschen ist angesprochen, und doch wird ganz Unterschiedliches betont.<br \/>\nIn diesen Unterschieden liegt auch der Grund, warum in einer Sprache Dinge ganz einfach gesagt werden k\u00f6nnen, die in einer anderen vielleicht nur umst\u00e4ndlich zu umschreiben sind. Die Bevorzugung des Englischen in der Popmusik zum Beispiel hat ganz sicher damit zu tun, dass das Englische sich besonders gut f\u00fcr den Ausdruck bestimmter Emotionen eignet.<br \/>\nAuf diesem Hintergrund ergbit das unterschiedliche Schicksal der urspr\u00fcnglich drei verschiedenen friesischen Dialektgruppen wiederum ein sprechendes Bild. Sowohl im Westen (der heutigen niederl\u00e4ndischen Provinz Frysl\u00e2n) als auch im Norden (Nordfriesland) wurde die friesische Volkssprache von \u00fcbergeordneten Standardsprachen bedr\u00e4ngt, die strukturell viele \u00c4hnlichkeiten mit dem Friesischen aufwiesen, n\u00e4mlich vom Niederl\u00e4ndischen und vom D\u00e4nischen. Ostfriesland hatte als letztlich entscheidende \u00fcbergeordnete Standardsprache mit dem Hochdeutschen zu tun, das strukturell einen wesentlich gr\u00f6\u00dferen Abstand zu den friesischen Volksdialekten aufwies. Mit dem zun\u00e4chst das Friesische verdr\u00e4ngenden Niederdeutschen h\u00e4tte sich noch eine vergleichbare Koexistenz wie im heutigen Frysl\u00e2n ergeben k\u00f6nnen. Dort, in den Niederlanden konnte sich das Friesische immerhin so lange halten, dass dann im 19. Jahrhundert nach und nach ein Wiederaufleben m\u00f6glich wurde (Vergleichbares gilt in Nordfriesland). Dazu blieb aber in Ostfriesland keine Gelegenheit. Das Niederdeutsche selbst kam unter denselben Druck wie das Friesische zuvor; das Hochdeutsche der Lutherbibel dr\u00e4ngte heran, so dass von dieser urspr\u00fcnglich zentralfriesischen Dialektgruppe heute nur noch die durch ihre lange sehr isolierte Lage erhaltene Sprachinsel des Saterfriesischen erhalten ist.<br \/>\nUnd doch: das ostfriesische Niederdeutsch hat seine Besonderheiten, vor allem durch das friesische Substrat. Und die Geschichte Ostfrieslands zeigt bei aller \u00dcberformung durch von au\u00dfen aufgedr\u00fcckte Kultureinfl\u00fcsse ihre Eigenst\u00e4ndigkeit und immer wiederkehrende Bezugnahme auf das urspr\u00fcngliche friesische Freiheitsideal. Vielleicht kommt ja auch noch die Zeit, in der diese heute mehr gef\u00fchlte Identit\u00e4t sich auch wieder in friesischen Sprachformen auszudr\u00fccken lernt.<\/p>\n<h6>Friesische Kultur ist zuk\u00fcnftig<\/h6>\n<p>Dazu k\u00f6nnen Wege gefunden werden, wenn erst einmal der Blick auf friesische Kultur nicht mehr reflexartig in die Vergangenheit gewandt wird, sondern das friesische Freiheitsideal als etwas f\u00fcr alle Menschen Wertvolles, erst in der Zukunft wieder zu Verwirklichendes aufgefa\u00dft wird. Nicht als etwas, was anderen Menschen aufzudr\u00e4ngen ist \u2013 das w\u00e4re ja Mi\u00dfachtung der Freiheit im Anderen \u2013 sondern als ein im Zusammenleben innerhalb friesischer Menschengemeinschaften selbstverst\u00e4ndlich Dargelebtes, das jeder f\u00fcr sich ergreifen kann, der dies will. Noch immer ist es ja so, dass vielfach Geburt und Herkunft (ja, leider, anders gesagt: Blut und Boden) als mehr ausschlaggebend f\u00fcr eine \u201efriesische Identit\u00e4t\u201c angesehen werden als die freie individuelle Entscheidung des Einzelnen. Genau besehen, zerst\u00f6ren diejenigen, die ausgehend von solchem Vergangenheitsbezug die \u201efriesische Freiheit\u201c gerade f\u00f6rdern wollen, dieses ihr Ziel selber. Unserer Zeit angemessen kann es nur sein, wenn der Einzelne, der sich dem geschichtlich in jeweils zeitgem\u00e4\u00dfer Form immer wieder aufscheinenden friesischen Freiheitsideal verbindet, eben durch diesen freien individuellen Entscheidungsakt sich selbst zum Friesen macht.<br \/>\nUnd dann wird seine jeweilige individuelle Form, seiner \u201efriesischen Identit\u00e4t\u201c Ausdruck zu verleihen, ein freier Beitrag zur friesischen Kultur sein \u2013 einer neuen, lebendigen, sich in eine noch ungekannte Zukunft hinein entwickelnden Kultur, nicht einer an hergebrachten Formen klebenden, die im Museum gleichwohl ihre Berechtigung hat, als Gegenstand ehrenden Gedenkens an den durch die Zeiten gehenden friesischen Freiheitsimpuls.<br \/>\nDer freie Friese sagt: ich bin Friese, weil ich es so will. Und das wird der andere Freie achten und respektieren.<br \/>\nEala frya Fresena!<\/p>\n<p>\u00a9 Stefan Carl em Huisken 2017<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sonntagsgedanken von Stefan Carl em Huisken. Heute: Wie kann in zeitgem\u00e4\u00dfer Form die &#8222;friesische Identit\u00e4t&#8220; beschrieben werden? Wer ist dann unter welchen Umst\u00e4nden &#8222;Friese&#8220;? Eine Art Streitschrift zu diesem Thema.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":869,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[267],"tags":[180,216,155,206,254,217,316],"class_list":["post-927","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geisteswissenschaft","tag-freiheit","tag-friesen","tag-gesellschaft","tag-neues-denken","tag-sonntagsgedanken","tag-sprache","tag-texte"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.4 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Wer ist Friese? - Musik \u2013 Wort \u2013 Geisteswissenschaft<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Wie kann heute &quot;friesische Identit\u00e4t&quot; beschrieben werden? Welche zeitgem\u00e4\u00dfe Form kann daf\u00fcr gefunden werden? 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