{"id":910,"date":"2013-11-09T13:18:00","date_gmt":"2013-11-09T12:18:00","guid":{"rendered":"http:\/\/emhuisken.de\/wordpress\/wort\/2013\/11\/09\/musik-wo-gehts-lang-klassik-pop-folksmusik-ein-kommentar\/"},"modified":"2020-11-24T10:56:32","modified_gmt":"2020-11-24T09:56:32","slug":"musik-wo-gehts-lang-klassik-pop-folksmusik-ein-kommentar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/emhuisken.de\/wordpress\/2013\/11\/musik-wo-gehts-lang-klassik-pop-folksmusik-ein-kommentar\/","title":{"rendered":"Musik &#8211; wo geht&#8217;s lang? Klassik, Pop, Folk(s)musik? &#8211; Ein Kommentar"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"https:\/\/emhuisken.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/910?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/emhuisken.de\/wordpress\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Print Content\" \/><span class=\"pdfprnt-button-title pdfprnt-button-print-title\">F\u00fcr l\u00e4ngere Texte empfehle ich vorherigen Ausdruck<\/span><\/a><\/div><p>Musik ist so vielf\u00e4ltig wie die Menschen, die sie machen. Jede Art von Musik hat darum ihre Berechtigung; sie ist Ausdruck menschlicher Erlebens-Welten und verdient darum, respektiert zu werden. Das \u00e4ndert allerdings nichts daran, dass Musik und Musikmachen auch eine dienende Funktion haben, n\u00e4mlich f\u00fcr diejenigen, die sie &#8211; in welcher Weise auch immer &#8211; konsumieren. Und genau da f\u00e4ngt das Dilemma an.<\/p>\n<p>Der Vollblutmusiker m\u00f6chte Neues schaffen, eigensch\u00f6pferisch t\u00e4tig sein, Impulse geben, sein Eigenes zur Geltung bringen, die Welt der Musik um Neues bereichern. Der durchschnittliche Konsument genie\u00dft Musik aber sehr \u00fcberwiegend zum Zwecke der Entspannung, und m\u00f6chte darum nicht zu sehr beansprucht werden, lieber das in der harten Alltagswelt zu kurz gekommene Gef\u00fchlsleben gepflegt wissen, am besten durch Anregung angenehmer Stimmungen, so zum Wohlf\u00fchlen eben.<\/p>\n<p>Wer nur ein wenig dar\u00fcber nachdenkt, wof\u00fcr heutzutage das meisten Geld in der sogenannten &#8222;Freizeit&#8220; ausgegeben wird, dem wird sehr schnell klar, dass der Kunde auch hier K\u00f6nig ist: f\u00fcr ein Konzert mit den &#8222;Stars der Volksmusik&#8220; (\u00fcberwiegend Schlager mit Heile-Welt-Inhalten, was eben im oberdeutschen Bereich meist \u00fcberzeugender gekonnt wird als im Norden, wenn ich mich einmal so ausdr\u00fccken darf &#8230;), f\u00fcr ein solches Konzert zahlen locker mehrere hundert oder auch tausend Menschen Summen im oberen zweistelligen Bereich, w\u00e4hrend f\u00fcr ein absolut innovatives Konzert, das so Neues bringt, dass es keinem g\u00e4ngigen Genre-Schema unterworfen werden kann, kaum Eintritt erhoben werden kann &#8211; es kommt schon so kaum einer..<\/p>\n<p>Da gibt es nun auch noch ein weiteres Problem zu bedenken: die sogenannte &#8222;Klassik&#8220;-Szene, die davon lebt, dass oftmals sensationell gute Musiker Werke vergangener Zeiten interpretieren, tut auch nichts anderes als Bestehendes zu reproduzieren, nur auf einem nach b\u00fcrgerlichen Ma\u00dfst\u00e4ben &#8222;h\u00f6heren&#8220; Niveau. Ob ein Zuh\u00f6rer ein Klarinettenkonzert von Mozart immer wieder genie\u00dft oder den bekannten Schlager von Klaus&amp;Klaus in im Grundsatz dasselbe: er m\u00f6chte in seinem Innern angeregt wissen, was er schon kennt und was ihm gef\u00e4llt. Dazu benutzt er die Musik.<\/p>\n<p>Im Ergebnis stirbt so die sogenannte &#8222;E&#8220;-Musik ebenso wie die sogenannte &#8222;U&#8220;-Musik (eine Unterscheidung, die in der leider vorhandenen Sch\u00e4rfe ja wirklich nur aus deutschen B\u00fcrokratengeist hervorgehen kann) nach und nach ab. Wenn Musik sich &#8211; auch Musiker m\u00fcssen von irgendwas leben! &#8211; nur nach Ma\u00dfgabe des Publikumsgeschmackes finanzieren kann, muss das auch so sein. Das Publikum besteht eben nicht aus Musikern, sondern aus Alltagsmenschen &#8211; siehe 1. Abschnitt. Und man kann ja redlicherweise nicht erwarten, dass dieses Publikum nun gerade immer nach Neuem schreit.<\/p>\n<p>Da leidet die Musik unter den selben Problemen wie eigentlich unser gesamtes Gesellschaftsgef\u00fcge. Die sch\u00e4dlichen Ausw\u00fcchse einer Gesellschaft, die sich am Idol des gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Eigennutzes jedes Einzelnen orientiert, belasten derart, dass f\u00fcr wirkliche Erneuerung zu wenig Kraft \u00fcbrig bleibt. Eine Gesellschaft, die sich festf\u00e4hrt, eigentlich schon lange festgefahren ist, sich seit Jahrzehnten nur noch in die Tasche l\u00fcgt. Eine Gesellschaft, die immer wieder an ihren schon lange v\u00f6llig zerschlissenen Kleidern herumflickt und sich nicht aufraffen kann, ganz neue Wege zu gehen (so \u00e4hnlich beschrieb z.B. Rudolf Steiner am Anfang des 20. Jahrhunderts die Gesellschaft &#8211; seiner Zeit!).<br \/>\nUnd eine Musikszene, die von der letzten wirklich sch\u00f6pferisch wirksamen Phase (60er bis 80er-Jahre des vorigen Jahrhunderts) lebt. Oder von meist staatlich gef\u00f6rderter Reproduktion noch wesentlich \u00e4lterer Werke. Eine Musikszene, die also &#8211; aufs Ganze gesehen &#8211; nur in Nischen wirkliche Weiterentwicklung zu bieten hat. Zum Gl\u00fcck gibt es diese Nischen &#8211; noch.<\/p>\n<p>Das erste Mal ist mir das Problem begegnet, als ich plattdeutsche Liedermacher ein wenig kennen lernte. Damals gab es noch wenig &#8211; Helmut Debus ist ja so ein Exponent gewesen damals. Und da fand ich auf einem Plattencover von Helmut Debus einen Ausspruch von Alma Rogge (ich wei\u00df ihn leider nicht mehr w\u00f6rtlich), in dem sie darauf hinwies, dass es nicht f\u00f6rderlich ist, zu viel zur\u00fcckzuschauen. Es gehe vielmehr darum, das Bestehende lebendig an diejenigen weiterzugeben, die nach uns kommen. Lebendig &#8211; das ist das entscheidende Wort. Es verweist auf die dauernde Weiterentwicklung, die ein Kennzeichen wirklichen Lebens ist.<\/p>\n<p>Machen wir uns darum auf &#8211; meine ich &#8211; Neues zu entwickeln, indem wir das Bestehende aufgreifen, aber nicht einfach reproduzieren. Die lebendige Musikszene der Bretagne ist ein gutes Beispiel f\u00fcr einen gegl\u00fcckten Zusammenschluss von Altem mit Neuem. Man schaue sich einmal den gemeinsamen Auftritt von Louise Ebrel (absolut eine traditionell-bretonische S\u00e4ngerin gesetzteren Alters) mit der Punkrockband &#8222;Les Ramoneurs de menhirs&#8220; an (<a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ExThS2udH-Y\">http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ExThS2udH-Y<\/a>). Traditioneller bretonischer Gesang IST da auch Punkrock &#8211; und umgekehrt.<\/p>\n<p>Leider haben wir hier in Deutschland &#8211; vor allem in Norddeutschland &#8211; keine so begeisternde und massentaugliche musikalische Volks\u00fcberlieferung wie die Bretagne. Was bei uns vielleicht einmal Volkskultur war, ist ja sehr nachhaltig besch\u00e4digt, wenn nicht zerst\u00f6rt worden. Nicht zuletzt auch darum gibt es ja bei uns die scharfe Trennung zwischen der englisch-amerikanisch dominierten &#8222;U&#8220;-Musik und der 19tes-Jahrhundert und-fr\u00fcher-dominierten &#8222;E&#8220;-Musik. Das Eigene liegt eben darnieder.<\/p>\n<p>Aber das ist ja kein Grund zum Jammern: Volkskulturen haben immer auch aus dem gelebt, was aus anderen Weltbereichen nachhaltig assimiliert wird. Da liegt doch ein weites Schaffensfeld. Hier kann der &#8222;Nettozahler Deutschland&#8220; (finanziell betrachtet) viel von anderen zur\u00fcckbekommen (an lebendiger Folk(s)kultur). Das wird aber nicht beackert werden k\u00f6nnen ohne die ernsthafte Bem\u00fchung der Musikschaffenden, die Situation ihres Publikums angemessen zu respektieren und zu ber\u00fccksichtigen; und auch nicht ohne die Bereitschaft im Publikum, die erfrischende Wirkung neuer Impulse auch einmal zu erproben. Eine Gemeinschaftsaufgabe also.<\/p>\n<p>Ist das nicht ein sch\u00f6nes Ziel?<br \/>\n<span style=\"font-size: small;\"><span style=\"font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;\"><br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<p>\u00a9 Stefan Carl em Huisken 2013<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musik ist so vielf\u00e4ltig wie die Menschen, die sie machen. Jede Art von Musik hat darum ihre Berechtigung; sie ist Ausdruck menschlicher Erlebens-Welten und verdient darum, respektiert zu werden. 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