{"id":2561,"date":"2021-02-05T23:46:31","date_gmt":"2021-02-05T22:46:31","guid":{"rendered":"https:\/\/emhuisken.de\/wordpress\/?p=2561"},"modified":"2021-10-23T20:19:53","modified_gmt":"2021-10-23T19:19:53","slug":"vom-einswerden-mit-der-geistigen-welt-im-denken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/emhuisken.de\/wordpress\/2021\/02\/vom-einswerden-mit-der-geistigen-welt-im-denken\/","title":{"rendered":"Vom Einswerden mit der geistigen Welt"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"https:\/\/emhuisken.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2561?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/emhuisken.de\/wordpress\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Print Content\" \/><span class=\"pdfprnt-button-title pdfprnt-button-print-title\">F\u00fcr l\u00e4ngere Texte empfehle ich vorherigen Ausdruck<\/span><\/a><\/div>\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Der freie Mensch als Mit-Sch\u00f6pfer im Weltprozess<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<em>Wie nimmt man teil an diesem \u00e4u\u00dferen Leben? Man informiert sich \u00fcber das, was in der Welt vorgeht; man informiert sich so, da\u00df man sich gewisserma\u00dfen in sein Erleben hin\u00adeintragen l\u00e4\u00dft, was durch diesen oder jenen Ansto\u00df in das Leben hereinkommt. Man gibt sich irgendeiner popul\u00e4ren Agitation hin. Man untersuche nur einmal, wieviel in die\u00adsem Hingeben an eine popul\u00e4re Agitation dem eigenen Willen entsprie\u00dft und wieviel einfach darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, da\u00df man mitgenommen wird von dem, was da an\u00adst\u00fcrmt aus den Wogen des Lebens! Und vieles, vieles k\u00f6nnte ich Ihnen anf\u00fchren von dem, was in das Denken hereinst\u00fcrmt, das Denken beherrscht, ohne da\u00df der Wille des Menschen selbst in dieses Denken unmittelbar hineinwirkt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Das war gerade die geschichtliche Aufgabe bei Abfassung meines Buches \u00abDie Philoso\u00adphie der Freiheit\u00bb, darauf hinzuweisen, wie Freiheit des Menschen \u00fcberhaupt nur m\u00f6g\u00adlich ist, wenn dieses unwillk\u00fcrliche, tr\u00e4umerische Denken nicht da ist, sondern Impulse aus dem vollbewu\u00dften Willen heraus sich geltend machen. Dieses Denken &#8211; welcher Na\u00adtur ist es denn ? Wann ist es wirkliches Denken ? &#8211; Wenn es wirklich aus dem vollbewu\u00df\u00adten Willen kommt, wenn wir den Gedanken so fassen, da\u00df wir selbst es sind, die den Ge\u00addanken fassen. In dem Augenblicke, wo der Gedanke uns fa\u00dft, sind wir nicht mehr frei. Nur wenn wir aus unserer Kraft, aus unserem Wesen heraus den Gedanken fassen k\u00f6n\u00adnen, sind wir frei.\u201c (Rudolf Steiner: Geistige und soziale Wandlungen in der Menschheitsentwi\u00adckelung. GA 196. &#8211; Dornach, 1992. S. 110f)<\/em><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Mensch und Welt<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die vorige Betrachtung<a href=\"#sdfootnote1sym\"><sup>1<\/sup><\/a> f\u00fchrte zu der Einsicht, dass Mensch und Welt nur als eine Einheit exis\u00adtieren k\u00f6nnen; jede Seite f\u00fcr sich kann weder Sein noch Entwicklung haben. Der Mensch, der sich als von der Welt geschiedenes, mit ihr aber durch den Leib verbundenes seelisch-geistiges Wesen erlebt, ist aus der Weltentwicklung hervorgegangen, ohne die Welt also nicht m\u00f6glich. Die Welt als vom Menschen geschiedenes, ihn erst hervorbringendes Ganzes, ist aber als solche nur solange und insofern vorhanden, als der Mensch als die Welt Erkennender ihr gegen\u00fcber ritt. Sonst g\u00e4be es niemanden, der ihre Existenz \u00fcberhaupt feststellen k\u00f6nnte. Ohne denjenigen aber, der ihre Existenz erlebt und erkennt, kann \u00fcber die Welt nichts gesagt werden; ihre geisti\u00adgen Grundlagen, die Gesetze ihres Werdens <em>sind ohne ein sie erkennendes Wesen gar nicht vorhanden<\/em>. Ohne diese geistigen Grundlagen aber kann auch die Welt nicht sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Insofern kann man davon sprechen, dass der Weltprozess sich das Instrument seiner Selbster\u00adkenntnis im Menschen erst erschaffen habe. Aber auch diese Einsicht ist nur vorhanden im selbstbewussten menschlichen Denken. Die heute erlebte Trennung von (geistig-seelisch leben\u00addem) Menschen und \u00e4u\u00dferer, gegen\u00fcberstehender, scheinbar geist- und seelenloser Welt ist nur <em>ein<\/em> Glied es gesamten Entwicklungsprozesses dieser Selbst-Erkenntnis des Welt-Ganzen im Menschen. Es bekommt daher diese einzelne, akute Situation ihren Sinn nur durch den Blick auf das Ganze, das Mensch und Welt betrachtet.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Das Ganze denken<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Einheit zu erkennen, st\u00f6\u00dft auf besondere Schwierigkeiten, denn es ist ja gerade ein Cha\u00adrakteristikum jeder Eerkenntnis, dass in ihr zwei von einander verschiedene Wesenheiten oder Funktionen \u2013 das Erkannte und der Erkenner n\u00e4mlich \u2013 gerade m\u00f6glichst klar von einander un\u00adterschieden werden m\u00fcssen, gewisserma\u00dfen \u201eaus einander gehalten\u201c. Sonst ist nicht auszuma\u00adchen, ob das zu Erkennende dem Erkenner blo\u00df etwas vorgaukelt, was gar nicht vorhanden ist, oder ob umgekehrt der Erkenner in seiner Erkenntnis Gesichtspunkte zur Geltung bringt, die dem Erkannten nicht entsprechen, es also ver\u00e4ndern und insofern die Erkenntnis verf\u00e4lschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der vorigen Ausarbeitung<a href=\"#sdfootnote2sym\"><sup>2<\/sup><\/a> wurde gezeigt, dass der Abgrund zwischen dem geistig-seelisch erlebenden Menschen und der ihm erscheinenden Welt jedenfalls vom heutigen Menschen nur auf <em>Denkwegen<\/em> bew\u00e4ltigt werden kann, die das sich selber beobachtende und sich in der den\u00adkenden Beobachtung selbst erschaffende Denken zu ihrem Ausgangs- und Zielpunkt machen. Indem der rein geistige Vorgang der Selbstbeobachtung des Denkens sich selbst zum <em>Gegen\u00adstand<\/em> macht, also aus sich selbst heraustritt als ein \u201eEtwas\u201c, ein von sich selbst getrenntes Ge\u00adgen\u00fcber, erschafft er sich selber in einer geistigen Welt. Das so sich selber beobachtende Den\u00adken bildet darin nach, was der Weltprozess aus sich selbst als erkennenden Menschen hervor\u00adgebracht hat, durch den er seiner selbst erst \u201egewahr\u201c wird: dasjenige, was Wahrheit gibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Indem die sich selbst beobachtende Selbstbeobachtung des Denkens im Sinne der vorigen Ab\u00adhandlung dem Menschen erst das Wahrheitskriterium gibt, kann der Mensch seiner selbst be\u00adwusst werden als berufen,dem geistigen Urgrund und Ziel der Entwicklung erst zum wahren Sein zu verhelfen. <\/em>Denn durch seine Erkenntnisarbeit <em>erschafft <\/em>er erst die geistigen Grundlagen f\u00fcr sein eigenes Werden aus der Welt heraus<a href=\"#sdfootnote3sym\"><sup>3<\/sup><\/a>. Leistete der Mensch dies nicht, so zerst\u00f6rte er damit seine eigene Entstehungsgrundlage und damit sich, seine Vergangenheit und Zukunft gleich mit: also alles, was er als \u201eWelt\u201c erleben kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Ganzes ist ein Ganzes. Nichts darf dabei verloren gehen. Welt und Mensch sind ein solches Ganzes.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Die Aufgabe unserer Zeit<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie schon erw\u00e4hnt, stellen sich die Aufgaben und Denkwege in dieser Form dem <em>heutigen<\/em> Menschen. Die Menschen der Urzeit m\u00f6gen anders dazu gestanden haben, ebenso wie die Menschen der Zukunft ein anderes Verh\u00e4ltnis zu dem hier eben Dargestellten begr\u00fcnden m\u00f6\u00adgen. Was ist aber nun das Charakteristische, Grundlegende unserer Zeit, auf das in den Gedan\u00adkeng\u00e4ngen, von denen hier die Rede ist, hingewiesen wurde?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist zweifellos der Blick auf die Anforderung an uns Heutige, eine radikale (im Wortsinne, also \u201ean die Wurzel gehende\u201c) Abkehr von allem Glauben an die alleinige G\u00fcltigkeit \u00e4u\u00dferen Weltwissens zu vollziehen, und darin die unentrinnbare Notwendigkeit der Mitwirkung des Menschen und der Menschheit in der Gestaltung der Gesamtentwickelung anf\u00e4nglich zu reali\u00adsieren. Ohne dass der erkennende Mensch im denkenden Beobachten seiner eigenen Bewusst\u00adwerdung diese Bewusstwerdung erst erzeugt, wird die f\u00fcr das Ganze von Mensch und Welt in seiner Entwicklung erforderliche Selbsterkenntnis verfehlt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die zuk\u00fcnftige Entfaltung des im Uranfang Angelegten w\u00fcrde verhindert. Damit aber w\u00fcrde im Ewigen, d.h. \u00fcberzeitlichen, die Existenz von Mensch und Welt insgesamt ausgel\u00f6scht. Denn die Vergangenheit kann <em>im Geiste<\/em> nicht existieren ohne die Zukunft, und ohne beide gibt es keine Gegenwart. In dieser Gegenwart ist eben der Mensch derjenige, auf den es ankommt: leistet er nun die ihm obliegende (Selbst-)Erkenntnis-Aufgabe oder nicht?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man sieht, es geht hier nicht um irgendwelche Kinkerlitzchen; es geht schlicht um Sein und Nicht-Sein des Ganzen aus Mensch und Welt. Die Verantwortung daf\u00fcr ruht nun nicht mehr im sch\u00fctzenden Scho\u00df einer allm\u00e4chtigen Gottheit; sie ist Schicksal und Kern des Menschen. Sie ist im Menschen gleichsam \u201eaus der geistigen Welt geboren\u201c. Wer sie nicht annimmt und weiterhin als blo\u00dfes \u201eDenkmodell\u201c neben anderen m\u00f6glichen ansieht, nimmt den denkenden Menschen als Tatsache und notwendiges Glied es Ganzen nicht ernst \u2013 und damit also auch sich selbst.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Der Mensch ist das Ma\u00df<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So erkl\u00e4rt sich die Unerbittlichkeit, mit der alle Vorg\u00e4nge unserer Zeit auf uns einwirken. Lesen wir darin die Sprache des Menschheitsschicksales: \u201eErkenne dich selbst!\u201c, so ruft es uns zu. Wenn der Mensch nun aber zu Ma\u00df und Gestalter der Zukunft werden soll, so muss er zuerst sich selbst als dieses Ma\u00df und diesen Gestalter erkennen \u2013 erschaffend erkennen! \u2013 und da\u00addurch auch die Bedeutung dieses seines Schicksales. Verfehlt er diese Erkenntnis \u2013 sein Schick\u00adsal also \u2013, so wird er in die Irre gehen m\u00fcssen, denn er kann dann nur diesem oder jenem, aus alten Zeiten in unsere Gegenwart hinein wirkenden Impuls folgen und diesen fortsetzen. Das grundst\u00fcrzend Neue, das dem Menschen heute obliegt \u2013 uns Zeitgenossen also \u2013 wird sich dann vorerst nicht vollziehen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit kommt aber auch der Gestaltung des Verh\u00e4ltnisses eine neue Bedeutung zu, das der in\u00addividuelle Mensch zu seiner Umgebung und damit auch zu den anderen Menschen gewinnen kann. Es muss dieses Verh\u00e4ltnis die im Ganzen intendierte Einheit erm\u00f6glichen, das hei\u00dft also eine Erkenntnis der sozialen Welt (also auch aller nicht-menschlichen Wesenheiten der Erde und des Kosmos) <em>immer<\/em> den individuellen Menschen und sein denkendes Selbstbewusstsein ein\u00adschlie\u00dfen so, dass soziale Welt und Einzelseele sich entsprechen, der denkende Mensch, der sich selber zum Ma\u00df f\u00fcr die Wahrhaftigkeit aufschwingt, also auch im Verh\u00e4ltnis der Menschen untereinander und zur Natur zur Richtschnur werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie wenig ist davon heute schon realisiert! War die griechische Geisteskultur nur m\u00f6glich, weil eine gro\u00dfer Teil der Bev\u00f6lkerung als Sklaven von ihrer Menschenw\u00fcrde ferngehalten wurden, war die mittelalterliche Geistesh\u00f6he der Scholastik vor allem der Fortsetzung alter Herrschaftsst\u00adrukturen in Leibeigenschaft und Macht des Klerus geschuldet, so ist der heutige \u00e4u\u00dferlich-materielle relative Wohlstand in einem gro\u00dfen Teil der zivilisierten Welt ein Produkt des Um\u00adgangs mit der Arbeit des Menschen als Ware auf dem Arbeitsmarkt und als Kostenfaktor; der Unterschied zu antiken Sklaven oder mittelalterlichen Leibeigenen ist graduell, kann doch nie\u00admand seine Arbeitskraft verkaufen ohne selber mit ihr mit gehen zu m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alle Wirren, Unruhen, K\u00e4mpfe und Kriege der neueren Zeit stehen damit im Zusammenhang, dass die Menschen nun immer mehr vor die Aufgabe gestellt sind, sich selber zu <em>wohlverstan\u00addenen<\/em> Dreh- und Angelpunkt der Entwicklung zu machen, dieser Aufgabe aber in keiner Weise gerecht werden, ja, sich geradezu mit aller Kraft gegen die Einsicht in diese Aufgabe und die da\u00admit verbundene Verantwortung wehren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber der Mensch <em>hat<\/em> diese Aufgabe, und er wird sie erf\u00fcllen <em>m\u00fcssen<\/em>. Wenn nicht aus eigenem, freiem Willen, so dann unter Zwang. Nur wird die <em>erzwungene<\/em> Aufgabenerf\u00fcllung das Wichtigs\u00adte entbehren: das Herzblut und die W\u00fcrde des selbst\u00e4ndigen, freien Menschen, der sich zum lie\u00adbenden Mitsch\u00f6pfer mach von allem, was ihn selbst einst hervorbrachte.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Sch\u00f6pferwille<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ziehen wir eine Art Res\u00fcmee des bisherigen Denkweges, so erkennen wir uns heutige Men\u00adschen als aufgerufen, in uns, in unserem denkenden Geist das Prinzip des Weltenwerdens zu realisieren, das wohl Goethe einmal den \u201evon Ewigkeit zu Ewigkeit sich selbst Produzierenden\u201c nannte<a href=\"#sdfootnote4sym\"><sup>4<\/sup><\/a>. Jeder Einzelne von uns, der dies energisch anstrebt, tr\u00e4gt ein neues Denken in das so\u00adziale Leben hinein, aus dessen lebendigem Fluss erst eine neue Gestaltung des sozialen Lebens m\u00f6glich werden kann. Es liegt ja auf der Hand, dass hier niemand jemals die \u201eallein richtigen Rezepte\u201c f\u00fcr das endg\u00fcltige Erreichen eines wie immer gedachten \u201eparadiesischen\u201c irdischen Lebens hervorbringen kann. Soll das Soziale <em>leben<\/em>, so wird es in st\u00e4ndigem Zusammenwirken der beteiligten konkreten irdischen Menschen immer wieder neu gefunden werden m\u00fcssen. <em>Le\u00adben<\/em> kann es ja nur im Willen der Mitwirkenden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Wille aber ist erwachsen aus der Vergangenheit, dem Werden des heutigen Menschen, der aus dem Geist herabstieg in die irdische Welt, um dort sich selber kennen zu lernen<a href=\"#sdfootnote5sym\"><sup>5<\/sup><\/a>. Was dieser Mensch schon kennt, erschauen kann in sich und seiner Welt, all die \u201eBegabungen\u201c also, die er aus dem Geiste schon mitbringt in die Gegenwart, sie m\u00fcssen sich auspr\u00e4gen k\u00f6nnen in seinem Willen und in seinen Strebensrichtungen. Wie anders ist aber das Bildungssystem unse\u00adrer Zeit, das als obersten Grundsatz die Zurichtung der werdenden Menschen im Hinblick auf ihre N\u00fctzlichkeit <em>im herrschenden System der Lohnsklaverei<\/em> hervorhebt!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schon 1919 befand Rudolf Steiner: <em>&#8222;Wenn nicht mehr Menschen \u00fcber Menschen in der alten Art &#8218;regieren&#8216;<\/em><em>s<\/em><em>ollen, so mu\u00df die M\u00f6glichkeit geschaffen werden, da\u00df der freie Geist in jeder Men\u00adschenseele so kraftvoll, als es in den menschlichen Individualit\u00e4\u00adten jeweilig m\u00f6glich ist, zum Lenker des Lebens wird<a href=\"#sdfootnote6sym\"><sup>6<\/sup><\/a>. Dieser Geist l\u00e4\u00dft sich aber nicht unterdr\u00fccken. Einrichtungen, die aus den blo\u00dfen Gesichts\u00adpunkten einer wirtschaftlichen Ordnung das Schulwesen regeln wollten, w\u00e4ren der Versuch einer solchen Unterdr\u00fcckung. Sie w\u00fcrde dazu f\u00fchren, da\u00df der freie Geist aus seinen Naturgrundlagen heraus fortdauernd revol\u00adtieren w\u00fcrde. Die kontinuierliche Er\u00adsch\u00fctterung des Gesellschaftsbaues w\u00e4re die notwendige Folge einer Ordnung, die aus der Lei\u00adtung der Pro\u00adduktionsprozesse zugleich das Schulwesen organisieren wollte.<\/em><em>\u201c (Rudolf Steiner: Aufs\u00e4tze <\/em><em>\u00fcber die <\/em><em>Dreigliederung des sozialen Organismus und zur Weltlage 1915-1921. GA 24. \u2013 Dornach, 1982, S. 43)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daraus ergibt sich auch die Frage nach dem Recht, die wir ja heute so zu beantworten gewohnt sind, dass eben durch bestimmte Entscheidungsstrukturen ausgew\u00e4hlte Menschen zu bestim\u00admen haben, was als allgemeines Gesetz zu gelten hat, und dadurch <em>alle <\/em>davon betroffenen Menschen zu unfreien Untertanen gemacht werden sollen. Wer aber kann daf\u00fcr einstehen, dass es gerade die Weisesten sind, die diese Gesetze festlegen, und dass es gerade die Unbe\u00adstechlichsten sind, die dann die Untertanen bez\u00fcglich der Einhaltung dieser Gesetze \u00fcberwa\u00adchen? Gibt es diese \u201e\u00dcbermenschen\u201c \u00fcberhaupt? Kann der <em>freie <\/em>Mensch ein solches abstraktes System als Herrscher \u00fcber sich \u00fcberhaupt <em>wollen?<\/em> Oder muss hier ganz Neues gefunden wer\u00adden?<a href=\"#sdfootnote7sym\"><sup>7<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem endlichen irdischen Leben der Gegenwart kann es nur gleiche Rechte f\u00fcr alle geben; aber sie d\u00fcrfen dann auch nur das umfassen, was bei allen Menschen gleich <em>ist<\/em>. Ihre Begabun\u00adgen und F\u00e4higkeiten \u2013 das urspr\u00fcnglich aus dem Geiste Mitgebrachte also \u2013 k\u00f6nnen ebenso nicht f\u00fcr jeden gleich sein wie die Lebensbed\u00fcrfnisse; was also dem Geistigen oder dem Wirt\u00adschaftlichen angeh\u00f6rt, f\u00e4llt in allen Einzelheiten aus dem Rahmen des Rechtlichen. Zu welchen schreienden Ungleichheiten der Menschenw\u00fcrde gegen\u00fcber der Versuch f\u00fchrt, Geistiges oder Wirtschaftliches dem sogenannten gleichen Recht zu unterstellen, erleben wir tagt\u00e4glich im All\u00adtag der heute noch herrschenden Staatskonstrukte. Allein das Recht, seine T\u00e4tigkeitsm\u00f6glich\u00adkeiten zu realisieren, seine Begabungen also zu nutzen, und die Pflicht, dies zum Nutzen aller und mit f\u00fcr alle gleichen Einsatz-Rahmen auch zu tun, kann daher durch staatlich-rechtliche Festlegungen demokratisch geregelt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die allen gemeinsame Zukunft der Menschheit erw\u00e4chst aber aus dem, was die Menschen aus ihrem Wollen dieser Zukunft entgegentragen. Diese Zukunft wird so werden, wie die Menschen im Hervorbringen miteinander umgehen. Arbeiten sie als freie, selbst\u00e4ndige Menschen zusam\u00admen, die ihre F\u00e4higkeiten in gemeinsamem Zukunftswillen zum Wohle des Ganzen zusammen\u00adflie\u00dfen lassen, jeder den Beitrag des Anderen achtend, w\u00fcrdigend und erg\u00e4nzend, oder suchen sie noch immer weiter das alte Herrschaftssystem aus Lohnsklaven und Kapitalisten fortzuf\u00fch\u00adren? Denken wir an Steiners Wort von der \u201ekontinuierlichen Ersch\u00fctterung des Gesellschafts\u00adbaues\u201c (s.o.)!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zukunft liegt also ebenso wie die Vergangenheit in einer geistigen Welt, die der Mensch nur in innerer T\u00e4tigkeit zu erfassen in der Lage ist. Diese irdische Welt ist unser Lern- und Erzie\u00adhungsort, der uns notwendig ist, wenn wir der Zukunft dienen und diese erst dadurch mit-erschaffen wollen. Je mehr wir auch hier, im Irdischen, die uns gegebene M\u00f6glichkeit des freien, selbstbeobachtenden Denkens als unsere Richtschnur nutzen, desto mehr k\u00f6nnen wir auch und schon in diesem irdischen Leben uns selber mit der geistigen Welt der Zukunft vereinen. Da\u00addurch nehmen wir die Erdenwelt in die geistige Zukunft mit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tun wir dies, so werden wir Mit-Sch\u00f6pfer des g\u00f6ttlichen Urgrundes, aus dem Mensch und Welt einst hervorgingen und in den sie wieder \u2013 dann auf einer neuen Entwickelungsstufe \u2013 einge\u00adhen werden.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Menschen-Interesse<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rudolf Steiner sprach am 6. Februar 1920 \u00fcber die Frage \u201eWessen bedarf die Menschheit zur Neugestaltung Europas?\u201c. Die folgenden Worte k\u00f6nnte er auch heute sprechen, allerdings dann auf die Welt als Ganzes bezogen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<em>Das ist eben das gro\u00dfe Ungl\u00fcck unserer Zeit, da\u00df die Menschen, ohne sich nun wirklich anzustrengen, ohne Interesse zu gewinnen f\u00fcr die Angelegenheiten der Menschheit, aus Unterbewu\u00dftem heraus heute urteilen, das oder jenes f\u00fcr richtig halten, das oder jenes f\u00fcr unerl\u00e4\u00dflich halten. Aber die Zeit ist nicht mehr da, wo man aus dem Unbewu\u00dften heraus das oder jenes f\u00fcr unerl\u00e4\u00dflich halten kann. Die Zeit ist gekommen, wo nur aus dem Sachlichen heraus geurteilt werden darf, wo man sich einmal anstrengen mu\u00df, sich wirklich einen \u00dcberblick zu verschaffen \u00fcber die Notwendigkeit der Zeit und \u00fcber dasje\u00adnige, was die Zeit von einem fordert. Es schn\u00fcrt einem heute das Herz zusammen, wenn man Menschen begegnet, die sich nur f\u00fcr sich selbst interessieren. Denn das ist das gro\u00dfe Ungl\u00fcck unserer Zeit, w\u00e4hrend die einzige Erl\u00f6sung der Zeit darin bestehen k\u00f6nn\u00adte, da\u00df nun, nachdem das Schreckliche vor sich gegangen ist in den letzten Jahren, die Menschen sich sagen w\u00fcrden: Wir m\u00fcssen uns f\u00fcr die Angelegenheiten der ganzen Menschheit interessieren, wir d\u00fcrfen nicht bei dem stehenbleiben, was unmittelbar mit uns nur im Umkreise unseres Volkes sich vollzieht.\u201c (Rudolf Steiner: Geistige und soziale Wandlungen in der Menschheitsentwickelung. GA 196. &#8211; Dornach, 1992. S. 165)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wieviel davon haben wir heute schon realisiert?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00a9 Stefan Carl em Huisken 2021<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote1anc\">1<\/a><a href=\"https:\/\/emhuisken.de\/wordpress\/2021\/01\/der-individuelle-mensch-als-ausdruck-und-bedingung-einer-geistigen-welt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">   \u201eDer individuelle Mensch als Ausdruck und Bedingung einer geistigen Welt\u201c<\/a>. In: Die Lahnung, Mitteilungen f\u00fcr individuelle Entwicklung und Lebenskunde, Nr. 4. Januar 2021<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote2anc\">2<\/a>   vgl. <a href=\"https:\/\/emhuisken.de\/wordpress\/2021\/01\/der-individuelle-mensch-als-ausdruck-und-bedingung-einer-geistigen-welt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eDer individuelle Mensch als Ausdruck und Bedingung einer geistigen Welt\u201c<\/a>, ebd.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote3anc\">3<\/a>   Diese Tatsache kann Grund zur Beruhigung sein: der Mensch <em>wird<\/em> es leisten <em>m\u00fcssen<\/em>, sonst w\u00e4re er selber gar nicht da. Allerdings: wann und unter wieviel selbstverschuldetem Leiden, das h\u00e4ngt vom Menschen selber ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote4anc\">4<\/a>   Der Text soll von Goethes langzeitigem Sekret\u00e4r Riemer im Jahre 1835 in einer Erg\u00e4nzung zu seinen \u201eMitteilungen \u00fcber Goethe\u201c ver\u00f6ffentlicht worden sein; die Quelle konnte noch nicht nachgewiesen werden. Der ganze Wortlaut steht hier: <a href=\"https:\/\/emhuisken.de\/geisteswissenschaft\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/emhuisken.de\/geisteswissenschaft\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote5anc\">5<\/a>   Siehe wiederum <a href=\"https:\/\/emhuisken.de\/wordpress\/2021\/01\/der-individuelle-mensch-als-ausdruck-und-bedingung-einer-geistigen-welt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eDer individuelle Mensch als Ausdruck und Bedingung einer geistigen Welt<\/a>\u201c, ebd.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote6anc\">6<\/a>   Dass solche Gedanken Steiners unserer Zeit nicht g\u00e4nzlich fernliegen, zeigt zum Beispiel ein Lied des Kabarettisten Bodo Wartke: \u201eWas, wenn doch?\u201c das man hier wahrnehmen kann: <a href=\"https:\/\/youtu.be\/T1IDSzs1Ai8\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=T1IDSzs1Ai8<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#sdfootnote7anc\">7<\/a>   Im Mittelalter gab es ein aufrechtes Volk, das sich selber in jedem Einzelnen nur Gott und dem Kaiser untertan, und ansonsten frei f\u00fchlte, sein eigenes Recht zu setzen. Das Recht wurde als etwas Bewegliches angesehen, das jederzeit durch Besseres ersetzt werden konnte. Recht sprachen bei diesen freien Friesen die j\u00e4hrlich aus der Mitte des Volkes gew\u00e4hlten Richter jeder Landgemeinde. Geschriebenes Recht gab es entweder als fast religi\u00f6s gef\u00fchlte Verk\u00fcndigung nat\u00fcrlicher Rechte jedes Menschen oder als eine Art Erinnerungsst\u00fctze f\u00fcr zuk\u00fcnftige \u00e4hnlich gelagerte F\u00e4lle. Ein genauerer Blick darauf lohnt. Vgl. auch z.B. hier: <a href=\"https:\/\/emhuisken.de\/wordpress\/tag\/friesen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/emhuisken.de\/wordpress\/tag\/friesen\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alle Wirren, Unruhen, K\u00e4mpfe und Kriege der neueren Zeit stehen damit im Zusammenhang, dass die Menschen nun immer mehr vor die Aufgabe gestellt sind, sich selber zu wohlverstan\u00addenen Dreh- und Angelpunkt der Entwicklung zu machen, dieser Aufgabe aber in keiner Weise gerecht werden, ja, sich geradezu mit aller Kraft gegen die Einsicht in diese Aufgabe und die da\u00admit verbundene Verantwortung wehren.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[267],"tags":[258,203,305,155,349,206,348,263,316,284,342],"class_list":["post-2561","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-geisteswissenschaft","tag-denken","tag-entwicklung","tag-geistige-welt","tag-gesellschaft","tag-modelle","tag-neues-denken","tag-schoepfer","tag-soziales-leben","tag-texte","tag-wahrheit","tag-wissenschaft-vom-denken"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Vom Einswerden mit der geistigen Welt \u2013 Der Mensch als Mitsch\u00f6pfer<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Vom Einswerden mit der geistigen Welt. 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