{"id":2552,"date":"2021-01-20T23:27:10","date_gmt":"2021-01-20T22:27:10","guid":{"rendered":"https:\/\/emhuisken.de\/wordpress\/?p=2552"},"modified":"2021-01-22T20:48:15","modified_gmt":"2021-01-22T19:48:15","slug":"verbotener-spass-erlaubte-pflicht-die-katastrophe-unserer-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/emhuisken.de\/wordpress\/2021\/01\/verbotener-spass-erlaubte-pflicht-die-katastrophe-unserer-zeit\/","title":{"rendered":"Verbotener Spa\u00df, erlaubte Pflicht \u2013 die Katastrophe unserer Zeit"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"https:\/\/emhuisken.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2552?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/emhuisken.de\/wordpress\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Print Content\" \/><span class=\"pdfprnt-button-title pdfprnt-button-print-title\">F\u00fcr l\u00e4ngere Texte empfehle ich vorherigen Ausdruck<\/span><\/a><\/div>\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Der Anlass<\/h4>\n\n\n\n<p>\u201eDer Spa\u00df ist verboten, die Pflicht erlaubt\u201c, so fasste ein Freund den Charakter der in immer neuen Wellen auf uns hereinst\u00fcrmenden Regeln \u201ezum Infektionsschutz\u201c zusammen. Ein schlichter Satz, der aber symptomatisch hinweist auf tiefgr\u00fcndige Unterlagen der derzeitigen Ereignisse.<\/p>\n\n\n\n<p>Nehmen wir diesen Satz doch einmal genauer unter die Lupe, \u201esine ira et studio\u201c, also ganz n\u00fcchtern, und ohne auf gewiss vorliegende Sympathien und Antipathien R\u00fccksicht zu nehmen. Was sagt er eigentlich genau?<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Pflicht und Spa\u00df<\/h4>\n\n\n\n<p>\u201ePflicht\u201c ist etwas, was dem Einzelnen auferlegt ist, \u201einsbesondere auch das &#8230;, was von einer \u00e4u\u00dferen Autorit\u00e4t oder durch ein Gesetz von jemandem gefordert wird und Verbindlichkeit beansprucht\u201c (Wikipedia). Es tr\u00e4gt also den Charakter des nicht frei Gew\u00e4hlten, das ggf. auch die M\u00f6glichkeiten, Befindlichkeiten und Strebensrichtungen des Einzelnen unber\u00fccksichtigt l\u00e4sst. In dem obenstehenden Satz also ganz offenbar vor allem Dinge, die eher unangenehm sind, keinen Spa\u00df machen. Und genau das bezeichnet der Satz als \u201eerlaubt\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Wort \u201eerlauben\u201c liegt in der Vorsilbe \u201eer-\u201c die Bedeutung von \u201eetwas hervorbringen\u201c darinnen, im Sinne von \u201eetwas erschaffen\u201c. Und im \u201e-laubt\u201c steckt das loben, das guthei\u00dfen. Das Wort spricht also eigentlich davon, dass etwas hervorgebracht wird durch loben und guthei\u00dfen, und ist urverwandt mit dem altindischen Wort <em>l\u014dbh\u00e1yati <\/em>\u201aerregt Verlangen, lockt an\u2018. Was erlaubt ist, sollte also eigentlich, der Wortbedeutung nach, wohl etwas Sympathisches sein, etwas, was man niemandem als \u201ePflicht\u201c auferlegen muss. In dem untersuchten Satz klingt das etwas anders. Die Formulierung scheint widerspr\u00fcchlich, l\u00e4sst aufhorchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was Spa\u00df ist, erkl\u00e4rt sich von selbst. Und wenn verboten ist, was Spa\u00df macht, ist das ganz klar eine unsympathische Angelegenheit, da gibt es nicht viel zu verhandeln. Das Wort \u201ebieten\u201c verbindet noch im mittelhochdeutschen die Bedeutungen f\u00fcr \u201eanbieten, darreichen\u201c und \u201egebieten\u201c oder \u201ebefehlen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Vorsilbe \u201ever-\u201c ist die Verneinung verbunden, das Vergehen von etwas, ganz im Gegensatz zum \u201eer-\u201c im Erlauben.<\/p>\n\n\n\n<p>Der ganze Satz enth\u00e4lt also klar ein \u00dcber- und Unterordnungsverh\u00e4ltnis, in dem der eine dem anderen vorschreiben kann, was er in diesem Fall zu lassen hat: \u201eSpa\u00df\u201c n\u00e4mlich, und was ihm \u201eerlaubt\u201c ist, die Pflicht n\u00e4mlich, das hei\u00dft das Gehorchen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Freiheit und Selbstbestimmung<\/h4>\n\n\n\n<p>Warum so eine Sprachbetrachtung? Nun, sie differenziert genauer, was man normalerweise sowieso f\u00fchlt bei einem solchen Satz. Und diese Differenzierung weist auf Tieferliegendes hin. N\u00e4mlich darauf, dass wir in der Regel die Pflicht nicht lieben, den Spa\u00df aber sehr wohl. Das hat seinen Grund darin, dass die Pflicht eben etwas ist, was nicht von uns selber ausgeht, was wir also in der Regel nicht <em>frei gew\u00e4hlt<\/em> haben. Der Spa\u00df taucht hier als das Gegenteil auf, als das, was wir also <em>selber, von uns aus wollen<\/em> k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>In dem Satz spricht sich also der Freiheitswille des Menschen aus und die Empfindung, dass nur, was diesem Willen entspricht, auch eigentlich wirklich \u201eVerlangen erregt\u201c und \u201eanlockt\u201c, und darum eigentlich \u201eerlaubt\u201c sein sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Darin spricht sich eigentlich die ganze Tragik unserer Zeit aus. Warum sind wir so darauf aus, vor allem Spa\u00df zu haben, also angenehme Erlebnisse, und empfinden schon beim Worte \u201ePflicht\u201c eher etwas s\u00e4uerliches, Ungeliebtes? Es gab doch Zeiten, da haben Menschen die Pflicht als heilig angesehen, also als etwas, was der Mensch aus sich selbst heraus anstrebte, wollte, und darum auch Freude an der Pflichterf\u00fcllung haben konnte. Warum ist das heute so anders? Warum sind die \u201ePflicht\u201c und der \u201eSpa\u00df\u201c so etwas Gegens\u00e4tzliches geworden?<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Charakter unserer Zeit<\/h4>\n\n\n\n<p>Ich will in diesem Text \u2013 auf diese Feststellung lege ich Wert \u2013 nicht irgendwen oder irgendetwas verurteilen, kritisieren oder dergleichen. Ich will nur beschreiben, um ausfindig zu machen, wie sich in allerkleinsten Dingen des Alltags ganz Grunds\u00e4tzliches, f\u00fcr die Erkenntnis unserer Zeit Bedeutendes aussprechen kann. Darum auch solche scheinbar nutzlosen Sprachbetrachtungen; der Sinn wird sich gleich schon zeigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass \u201ePflicht\u201c und \u201eSpa\u00df\u201c f\u00fcr uns Gegens\u00e4tze sind, weist auf ein Charakteristikum unserer Zeit hin: wir arbeiten, um die n\u00f6tigen Ressourcen zu haben, um dann \u2013 zu leben, also Spa\u00df zu haben. Die Arbeit ist in der Regel eher notwendiges \u00dcbel. Deswegen gelten ja Musiker und K\u00fcnstler zum Beispiel vielfach nicht als \u201earbeitende Menschen\u201c, denn sie machen ja bloss, \u201ewas ihnen Spa\u00df macht\u201c, tun also nichts Ernsthaftes, Bedeutendes. Arbeit ist eben Pflicht, und wir beneiden diejenigen, die ohne Arbeit genug haben f\u00fcr ihren Spa\u00df<a href=\"#sdfootnote1sym\"><sup>1<\/sup><\/a>. Muss das eigentlich so sein?<\/p>\n\n\n\n<p>Es hat seinen Grund in der Art und Weise, wie unsere Arbeit, unser schaffendes Tun in der Welt also, in die menschliche Gesellschaft eingeordnet ist. Arbeit gilt ja bei uns als etwas K\u00e4ufliches, als Kostenfaktor bei Unternehmern, als in seinem Wert durch den \u201eMarkt\u201c bestimmt. Wenn man die Arbeit also billiger kriegen kann, nimmt man sie nat\u00fcrlich da. Nur: Arbeit gibt es niemals ohne den Menschen, der sie leistet. Der muss dann immer mit der Arbeit mitgehen. Er kann sie nicht auf dem Markt verkaufen, dann nach Hause gehen und den erlangten Erl\u00f6s genie\u00dfen. Er muss seine Lebenszeit daf\u00fcr hingeben. Bei den alten Griechen kaufte man die ganzen Menschen als Sklaven. Im Mittelalter gab es Leibeigene. Und heute eben \u201eArbeitskr\u00e4fte\u201c, was mindestens f\u00fcr die gekaufte Lebenszeit nicht viel Unterschied macht zum Leibeigenen und Sklaven. Die Auffassung von der menschlichen Arbeit als Ware \u2013 k\u00e4ufliches Gut also \u2013 verletzt die W\u00fcrde des freien Menschen; das f\u00fchlt heutzutage wohl fast jeder, und diese Empfindung liegt der Ungeliebtheit der Arbeit zugrunde.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Gleichheit im Recht<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Jeder Mensch, der etwas arbeitet, gibt der Welt und allen anderen sein eigenes Leben hin, seine Zeit, seine Kraft, oft auch seine Gesundheit. Das gilt f\u00fcr alle Menschen gleich, und auf dieser Grundlage m\u00fcsste eigentlich <em>rechtlich<\/em> geregelt werden im Hinblick auf die vorhandenen gesellschaftlichen Bed\u00fcrfnisse, das hei\u00dft auf die in einer Region insgesamt n\u00f6tige Arbeit, wie viel, wie lange und unter welchen Umst\u00e4nden jeder seinen Beitrag zu Ganzen zu leisten hat. Und eine solche rechtliche Regelung m\u00fcsste selbstverst\u00e4ndlich so getroffen werden, dass jeder Einzelne bei dieser Regelung betroffen ist und mitwirken kann, d.h. dass das, was er f\u00fcr andere fordert immer auch genauso f\u00fcr ihn selber gilt \u2013 also einfach demokratisch<a href=\"#sdfootnote2sym\"><sup>2<\/sup><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Und genauso m\u00fcssten nat\u00fcrlich auf <em>rechtlicher Grundlage<\/em> jedem, der etwas f\u00fcr die Gesamtheit schafft, auch die n\u00f6tigen Mittel gegeben werden: Werkzeuge, Maschinen, Grund und Boden, was auch immer. Es ist doch eigentlich, bei n\u00e4herer Betrachtung nichts weiter als ein v\u00f6lliger Unsinn, wenn jemand davon sprechen will, er habe einen Teil der Erde \u2013 also Grund und Boden \u2013 als sein pers\u00f6nliches Eigentum, mit dem er machen kann, was er will. Genauso wie der Mensch ja mitgehen muss, wenn seine Arbeit gekauft werden soll, was der heute immer intensiver empfundenen Menschenw\u00fcrde widerspricht, soll mit dem Eigentum an Grund und Boden etwas Unm\u00f6gliches getan werden: ein St\u00fcck Erde isoliert und vom Rest der Welt unabh\u00e4ngig gekauft und verkauft werden.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Besitz und Eigentum<\/h4>\n\n\n\n<p>Leider ist aber genau das heutzutage die Regel: die Menschen meinen, die Erde geh\u00f6re ihnen, und sie k\u00f6nnten damit machen, was sie wollen. Die Erde selber, und bei rechter \u00dcberlegung auch jeder klar denkende Mensch kann davon eigentlich nicht erbaut sein; die Erde wehrt sich ja inzwischen auch und macht uns klar, dass wir als Menschheit auf diese Art nicht mehr lange auf ihr weilen werden. Die Masse der Menschen hat aber offenbar noch nicht erkannt, wie unsinnig so ein Gedanke ist: ein St\u00fcck Erde zum willk\u00fcrlichen Gebrauch ohne R\u00fccksicht auf Verluste einfach als Eigentum haben zu wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Um hier Missverst\u00e4ndnisse zu vermeiden: <em>Besitz<\/em> ist keineswegs unsinnig, das ist \u2013 wie das Wort besagt \u2013 das \u201edarauf sitzen\u201c, sich und seine T\u00e4tigkeit darauf st\u00fctzen. Wenn also auf rechtlicher Grundlage jemandem ein Gut zum Besitz gegeben wird, dann mu\u00df er selbstverst\u00e4ndlich frei damit umgehen k\u00f6nnen, wir h\u00e4tten ja sonst eine \u00fcberbordende B\u00fcrokratie mit noch viel schlimmeren Herrschaftsm\u00f6glichkeiten, als sie derzeit bei uns in Deutschland jedenfalls gegeben sind (kommunistische Gesellschaftssysteme lassen gr\u00fc\u00dfen \u2026 warum gehen sie auf die Dauer in Korruption und eigens\u00fcchtiger Nomenklatura unter?).<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mensch, dem wir im Vertrauen in seine F\u00e4higkeiten ein Gut zur Nutzung f\u00fcr das Wohl der Allgemeinheit hin die H\u00e4nde legen, muss nat\u00fcrlich seine Kr\u00e4fte und F\u00e4higkeiten <em>frei<\/em> entfalten k\u00f6nnen, nur dann wird er mit vollem Engagement und dadurch aucheffektiv arbeiten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eigentum im Unterschied zu Besitz kann daher nur sein, was <em>auf dem eigenen Schaffen beruht<\/em>, also beim K\u00fcnstler zum Beispiel die Gestalt (die nur geistig fassbare Form), die er einem Material gegeben hat. Das Material geh\u00f6rt weiterhin der Erde und allen Menschen gemeinsam. Die Ressourcen an Grund und Boden, Maschinen, Hilfsmitteln, die einem Unternehmer zur Verf\u00fcgung gestellt werden, geh\u00f6ren nat\u00fcrlich der Erde und der Menschheit an, aber sein Umgang damit ist der origin\u00e4re Beitrag des Unternehmers, der diese Ressourcen erst f\u00fcr die Allgemeinheit ertragreich machen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist nur ein Beispiel, das man aber auf sehr viele andere Situationen, bei genauem Hinsehen selbst f\u00fcr traditionelle Arbeitssituationen wie diejenigen in der Industrie anwenden kann.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Ideologie der Unfreiheit<\/h4>\n\n\n\n<p>Wo aber die Arbeit gebraucht wird, um die Menschen zu versklaven (nein, es sind nicht einfach nur die \u201eb\u00f6sen Kapitalisten\u201c, die die Lage f\u00fcr sich ausnutzen, es sind <em>alle Menschen, die \u00fcberhaupt Arbeit als k\u00e4uflich ansehen<\/em>, die daf\u00fcr sorgen, dass hier kein Umdenken einsetzt), da <em>kann<\/em> die Arbeit nur zu etwas werden, was ungeliebte Pflicht ist. (Und wo man die Erde als beliebig zerst\u00fcckelbare Ware zum Zwecke der Eigentumsanh\u00e4ufung ansieht, da kann sie nur leiden und nach und nach absterben.)<\/p>\n\n\n\n<p>Damit man die Menschen weiterhin in dieser Unm\u00fcndigkeit und Unfreiheit halten kann, hat man den Spa\u00df erfunden, der eben der Gegensatz ist zur ungeliebten Pflicht. Strenge reformiert-protestantische Ideologie sprach davon, dass die Erde eben ein Jammertal ist, wo man nur immer arbeiten und leiden k\u00f6nne, und sp\u00e4ter erst, nach dem Tode, k\u00e4me man ins Himmelreich, zum \u201eSpa\u00df\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute geht das dann so, dass man eben nach der Arbeit (dem \u201eJammertal\u201c) dann die Freizeit hat (in der man <em>frei<\/em> sein darf, im Gegensatz zur Arbeitszeit \u2013 das \u201eHimmelreich\u201c), wo man sich dann \u2013 scheinbar frei, aber gesteuert von der in der Arbeit unterdr\u00fcckten Sehnsucht, seine inneren Impulse und M\u00f6glichkeiten zur Geltung zu bringen \u2013 bis in w\u00fcsteste (Selbst-)Zerst\u00f6rung und Verschwendung \u201eausleben\u201d kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Verfolgt man die Argumentationen, die die immer neuen Regelungen derzeit begleiten, so kann man leicht erkennen, dass die Ideologie \u201eerst kommt die Arbeit, dann das Vergn\u00fcgen\u201c offenbar das Denken mancher an den obrigkeitlichen Entscheidungen Beteiligter regiert. Es liegt das ja auch im Grundzug unserer Zeit. Aber es liegt dann auch an uns, uns allen, ob wir damit weiterhin einverstanden sind und \u2013 auch in unserem ureigensten Denken \u2013 mitmachen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Freiheit kann heilen<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Auf ein Weiteres muss hier noch hingewiesen werden; ausf\u00fchren kann ich es hier nicht. Es ist doch eigentlich eigenartig, dass aus geistigen T\u00e4tigkeiten, wie zum Beispiel der \u00e4rztlichen, die ja darauf verpflichtet ist, in Ansehung des Einzelnen Leidenden heilend zu helfen, inzwischen Computermodelle geworden sind (also <em>keine menschliche Arbeit mehr<\/em>), die ausrechnen, welche Zukunft sich aus dem bisherigen Gang der Dinge ergibt, und diese Ausrechnungen dann herangezogen werden, um rechtliche Festlegungen zu treffen, die dann f\u00fcr alle Menschen gelten. Der Mensch \u2013 ein Teil eines Computermodells? Wo ist da Menschenw\u00fcrde?<\/p>\n\n\n\n<p>Derselbe Staat, der sich hier anma\u00dft, Heiler der Gesellschaft sein zu wollen, verteilt dann auch die Mittel, nach seinem Gusto, damit seine Art der Heilung auch erfolgen kann. Das ist wie der S\u00e4ufer, der zur Heilung seines Alkoholismus immer neue Schnapssorten erfindet und behauptet, die w\u00fcrden ihn jetzt vom Saufen abbringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Staat sollte lieber selber einen Heiler suchen, bei den Menschen, die ihn ausmachen, um sich selbst in etwas zu transformieren, was den Menschen und ihren Bed\u00fcrfnissen entspricht, also <em>menschenw\u00fcrdig <\/em>ist. Er ist zur Zeit n\u00e4mlich krank, sterbenskrank. Aber er braucht einen Heiler, der sich <em>frei<\/em> machen kann von dem Glauben, alle Bereiche des menschlichen Daseins sollten zentral von einer Stelle aus \u2013 dem Staat n\u00e4mlich \u2013 reguliert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die geistige T\u00e4tigkeit der Menschen, also alles, was sich aus den individuellen Begabungen und F\u00e4higkeiten der Menschen ergibt, ist individuell, und muss frei walten k\u00f6nnen. Dann wird auch der Mensch seine F\u00e4higkeiten <em>mit Freude<\/em> in den Dienst der Allgemeinheit und der anderen stellen. Jedes Gesetz, jede Vorschrift, die hier angibt was und wie der einzelne zu sein und zu arbeiten hat, kann die volle Wirksamkeit des einzelnen Menschen nur behindern. Aber dies Gesetz der Freiheit gilt eben nur in Bezug auf die besonderen Begabungen und F\u00e4higkeiten jedes Einzelnen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wieviel<\/em> von seinem Individuellen er f\u00fcr die Allgemeinheit zu geben hat, das muss f\u00fcr alle Menschen gleich sein, also eine demokratisch festzulegende Rechtsregel, im Hinblick auf die vorhandenen Bed\u00fcrfnisse der Menschen. Und das <em>Wirtschaften<\/em> ist dann eigentlich nur noch das Hervorbringen all dessen, was aufgrund der nat\u00fcrlichen Verh\u00e4ltnisse und der von den Menschen geleisteten Arbeit zur Befriedigung dieser vorhandenen Bed\u00fcrfnisse m\u00f6glich und n\u00f6tig ist. Das kann nur in vertrauensvoller Zusammenarbeit im Blick auf die Gesamtheit des Bedarfs erfolgen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Freiheit, Gleichheit, Br\u00fcderlichkeit<\/h4>\n\n\n\n<p>So bekommen die drei Ideale der franz\u00f6sischen Revolution eine genauere Bedeutung:<\/p>\n\n\n\n<p>Freiheit im Gebrauch der individuellen F\u00e4higkeiten, im geistigen Anteil aller menschlichen T\u00e4tigkeit also; Gleichheit bei der Regelung all dessen, was f\u00fcr jeden Menschen gleich ist (die F\u00e4higkeiten und Begabungen sind ebenso nicht gleich wie die Bed\u00fcrfnisse, also nicht Inhalt demokratischer Festlegungen); Br\u00fcderlichkeit im gemeinsamen Hervorbringen all dessen, was zur Befriedigung der insgesamt vorhandenen Bed\u00fcrfnisse n\u00f6tig ist, auf der Grundlage der nat\u00fcrlichen Gegebenheiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann auf dieser Grundlage immer weiter denken, bis in viele Einzelheiten hinein. Das Konkrete wird immer von den tats\u00e4chlich vorhandenen Menschen, den Naturgegebenheiten und dem mehr oder weniger effektiven Umgang damit abh\u00e4ngen. Das ist dann eben das konkrete Leben, aus dem sich die Einzelheiten erst ergeben.<\/p>\n\n\n\n<p>So k\u00f6nnen sich dann L\u00f6sungen finden f\u00fcr viele ernsthafte Probleme, vor denen die Menschheit steht. Der Anfang ist aber immer da, wo <em>jeder Einzelne<\/em> anf\u00e4ngt, umzudenken, und davon abkommt, die Arbeitskraft des Menschen ebenso als Ware anzusehen wie die Erde, die unser aller Leben erst erm\u00f6glicht, und wo die Achtung vor der Freiheit des Individuums \u2013 nicht seiner Willk\u00fcr! \u2013 den rechten Ort bekommt.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Rudolf Steiner <strong>in den<\/strong> Katastrophen unserer Zeit<\/h4>\n\n\n\n<p>Solche Gedanken stellte Rudolf Steiner bereits Anfang des 20. Jahrhunderts, im allgemeinen Chaos nach dem ersten Weltkrieg dar und f\u00fchrte sie aus, unter dem Namen der \u201eDreigliederung des sozialen Organismus\u201c Sie wurden damals nicht ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die zweite Katastrophe folgte dann auch bald: die allgemeine brutale Barbarei der Mitte des 20. Jahrhunderts, die schlimmer wurde als die vorige Katastrophe, und die gipfelte im Abwurf zweier Atombomben in Japan. Auch damals wurden zumindest in Deutschland Gedanken laut, die an Rudolf Steiners Darstellungen ankn\u00fcpfen wollten. Sie blieben unber\u00fccksichtigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist offensichtlich, dass die kommende, auch durch die Handlungen der M\u00e4chtigen zur Zeit aktiv vorangetriebene Katastrophe (in vielen, in unseren Medien weitgehend unber\u00fccksichtigten L\u00e4ndern ist sie bereits da) noch tiefgreifender und furchtbarer werden kann als alles bisherige, auf allen Gebieten: Natur, Gesellschaft, Wirtschaft \u2013 alles Leben auf der Erde. Wer sich standhaft weigert, eine Lebensweise zu \u00e4ndern, die ganz offensichtlich auf Lebensl\u00fcgen basiert (K\u00e4uflichkeit von Erde und Mensch, Mi\u00dfachtung des freien Menschen) \u2013 die Menschheit insgesamt also, das hei\u00dft <em>jeder Einzelne von uns<\/em> \u2013 muss damit rechnen, dass die Katastrophen sich immer weiter aufschaukeln werden, und das Menschsein ganz allgemein vielleicht unm\u00f6glich machen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist es nicht erstaunlich, was man alles an tiefen Betrachtungen aus so einem einfachen Satz hervorholen kann: \u201eDie Pflicht ist erlaubt, der Spa\u00df ist verboten\u201c?<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a9 Stefan Carl em Huisken 2021<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote1anc\">1<\/a>   Konsequent gedacht, m\u00fcsste man dann allerdings auch festhalten, dass sie nichts Bedeutendes tun.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote2anc\">2<\/a>   Unter \u201eDemokratie\u201c wird hier allerdings nicht die derzeitig \u00fcberall vorherrschende Parteien- und Funktion\u00e4rsoligarche verstanden, die heute oftmals mit dem Wort bezeichnet wird. Diese Art der Beherrschung von Untertanen sollte wohl eigentlich mit dem Ende des 19. Jahrhunderts schon als \u00fcberholt gelten; leider hat sich diese Einsicht bisher noch nicht durchgesetzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDer Spa\u00df ist verboten, die Pflicht erlaubt\u201c, so fasste ein Freund den Charakter der in immer neuen Wellen auf uns hereinst\u00fcrmenden Regeln \u201ezum Infektionsschutz\u201c zusammen. 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