{"id":2338,"date":"2020-11-15T23:38:55","date_gmt":"2020-11-15T22:38:55","guid":{"rendered":"https:\/\/emhuisken.de\/wordpress\/?p=2338"},"modified":"2021-01-22T20:50:15","modified_gmt":"2021-01-22T19:50:15","slug":"aufwachen-fuer-das-kommende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/emhuisken.de\/wordpress\/2020\/11\/aufwachen-fuer-das-kommende\/","title":{"rendered":"Aufwachen f\u00fcr das Kommende"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"https:\/\/emhuisken.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2338?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/emhuisken.de\/wordpress\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Print Content\" \/><span class=\"pdfprnt-button-title pdfprnt-button-print-title\">F\u00fcr l\u00e4ngere Texte empfehle ich vorherigen Ausdruck<\/span><\/a><\/div>\n<p><em>In den zwei Artikeln \u00fcber \u201eDen Anderen nach-denken\u201c (<a href=\"https:\/\/emhuisken.de\/wordpress\/2020\/10\/den-anderen-nach-denken-hilft\/\">=&gt; hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/emhuisken.de\/wordpress\/2020\/10\/der-spiegel-des-individuellen-den-anderen-nach-denken-ii\/\">=&gt; hier<\/a>) versuchte ich, auf einige grundlegende Aspekte und Wirkungen menschlicher Begegnungen aufmerksam zu machen, insbesondere im Hinblick auf die Frage, wohin die menschliche Gesellschaft sich entwickeln kann. Von einem ganz anderen Gesichtspunkt aus komme ich hier nochmals auf die Bedeutung der menschlichen Begegnung im Zusammenhang der Gesamtentwicklung der Menschheit in unserer Zeit zur\u00fcck.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Bewusstseinszust\u00e4nde<\/h4>\n\n\n\n<p>\u201eAufwachen!\u201c \u2013 dieser Anruf zielt darauf, den Angerufenen zu einer Ver\u00e4nderung seines Bewusstseinszustandes zu veranlassen. Bewusstseinszust\u00e4nde kennen wir beim Menschen drei grunds\u00e4tzlich verschiedene \u2013 abgesehen von den unz\u00e4hligen Varianten davon, die im t\u00e4glichen Leben vorkommen. Diese drei Zust\u00e4nde sind das Wachbewusstsein, der Traum und der traumlose Schlaf. Wir sind heutzutage gew\u00f6hnt, diese drei Zust\u00e4nde mehr wie von au\u00dfen, im Hinblick auf den menschlichen Leib zu betrachten. Dann scheint der eigentliche individuelle Mensch im Schlaf wie verschwunden: es ist eben nur noch der Leib da, ohne sichtbaren Ausdruck der Seele. Hier sollen diese drei Zust\u00e4nde von der Innenperspektive aus betrachtet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Wachbewusstsein ist dadurch gekennzeichnet, dass in ihm sowohl Sinneseindr\u00fccke als auch das Selbst-Bewusstsein des Menschen vorhanden ist. Der Mensch erlebt also eine Welt und wei\u00df au\u00dferdem davon, dass er selber dieser Welt gegen\u00fcbersteht, sie erlebt und durch sein Tun beeinflusst. Was er nicht wahrnehmen kann, ist er selber als der Erlebende, denn er ist selber die <em>Formseite<\/em> dieses Bewusstseinszustandes, also die <em>Art und Weise<\/em>, in der die Inhalte  erlebt werden. Diese selber ist zun\u00e4chst kein eigenst\u00e4ndiger aktueller Inhalt, kann es auch nicht sein, sondern immer nur im R\u00fcckblick auf schon Vergangenes. Im Wachzustand Erlebtes k\u00f6nnen wir \u2013 mehr oder weniger, im Grundsatz aber sehr wohl \u2013 im Nachhinein erinnern. Und wir haben durch unser Selbstbewu\u00dftsein M\u00f6glichkeiten, selber den Ablauf der Ereignisse zu beeinflussen.<\/p>\n\n\n\n<p>Daneben kennen wir den Traumzustand. Was wir in ihm erleben, k\u00f6nnen wir in der Regel nur insoweit erinnern, als sich dieses Erleben im Aufwachen in den Wachzustand noch fortsetzt. Wir erleben im Traum wohl auch Inhalte, die oftmals sehr \u00e4hnlich sind den Inhalten des Wachzustandes, soviel k\u00f6nnen wir wissen. Aber die <em>Art des Erlebens<\/em> ist eine andere. Wir sind im Traum nur eingeschr\u00e4nkt oder gar nicht in der Lage, unsere Eigenst\u00e4ndigkeit gegen\u00fcber dem Verlauf des Erlebten zu behaupten, w\u00e4hrend des Traumes inne zu halten und uns auf uns selber zu besinnen. Wir sind gleichsam hineingezogen in das Geschehen und mit ihm verbunden, haben kaum oder gar keine M\u00f6glichkeiten, den Ablauf der Ereignisse mit zu bestimmen. Dennoch ver\u00e4ndert das Erleben uns selber, \u00e4hnlich wie im Wachbewusstsein. Traumbewusstsein ist eben auch <em>Bewusstsein<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich kennen wir auch noch den traumlosen Schlaf. Mancher mag es seltsam finden, diesen Zustand als einen <em>Bewusstseinszustand<\/em> zu bezeichnen. Aber es ist doch so: das Bewusstsein selber findet dort statt, wo die erlebten Inhalte eben <em>nicht<\/em> sind: Sinnesinhalte, Vorstellungsinhalte, Seelenregungen, Tr\u00e4ume, Erinnerungen usw. Es ist sich selber \u2013 wie oben schon gesagt \u2013 <em>nicht<\/em> als Inhalt pr\u00e4sent. Es ist eben die <em>Form<\/em>, in der Inhalte auftreten k\u00f6nnen. Und wenn keine Inhalte auftreten, f\u00fcr die wir eine Wahrnehmungsm\u00f6glichkeit haben, dann bedeutet dies  ja noch nicht, dass das Bewusstsein selber nicht vorhanden ist. Es ist nur inhaltsleer. Und weil wir bisher keine M\u00f6glichkeit haben, das Selbstbewusstsein aufrecht zu erhalten, wenn keine gegebenen Inhalte da sind, vergisst das Bewusstsein dann auch sich selber. Das nennen wir \u201eSchlaf\u201c.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Nacheinander &#8211; Ineinander<\/h4>\n\n\n\n<p>Gew\u00f6hnlich betrachten wir diese Bewusstseinszust\u00e4nde also solche, die zeitlich nacheinander stattfinden, <em>nicht<\/em> gleichzeitig. Wenn wir traumlos schlafen, haben wir keine Weltinhalte und wissen auch von uns selber nichts. Im Traum haben wir Weltinhalte, die sich sehr von dejenigen im Wachzustand unterscheiden k\u00f6nnen, im <em>Grundcharakter<\/em> ihnen aber \u00e4hnlich sind: das Bewusstsein steht den erlebten Inhalten gegen\u00fcber und folgt ihnen. Im Wachzustand kommt der bewusste, ver\u00e4ndernde Zugriff des seiner selbst bewussten Menschen auf die erlebte Welt hinzu.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus dem Schlaf finden wir durch den Traum in die Welt des Wachens, und aus dem Wachen sinken wir durch das Tr\u00e4umen in den Schlaf. Das jedenfalls sehen wir als den \u201eRegelfall\u201c an, aus unserem Erleben. Wenn wir wach sind oder tr\u00e4umen, schlafen wir nicht traumlos, wenn wir tr\u00e4umen, sind wir nicht wach und schlafen auch nicht traumlos, und wenn wir im Tiefschlaf sind, tr\u00e4umen wir nicht und wachen auch nicht. Das ist zun\u00e4chst unser Erleben im Durchgang durch das t\u00e4gliche Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber man kann die Sache auch anders betrachten, als eine Art <em>Ineinander<\/em> dieser drei Zust\u00e4nde, jeweils bezogen auf bestimmte Inhalte. Wenn wir wach der Welt begegnen und unser Bewusstsein mit ihren Inhalten erf\u00fcllen, vergessen wir uns selbst (siehe oben), <em>schlafen<\/em> also f\u00fcr uns selber. Hingabe an die Wahrnehmung der Welt l\u00e4sst also das Bewusstsein von uns selber \u201ein den Schlaf\u201c sinken. Umgekehrt kann es bei hoher Konzentration auf ein eigenes Tun geschehen, dass wir alles, was nicht mit diesem Tun zusammenh\u00e4ngt, vergessen. In einem Sonderfall, der Meditation, kann es sogar geschehen, dass wir uns so auf unsere eigene innere T\u00e4tigkeit und die dabei auftauchenden Seeleninhalte konzentrieren, dass die \u00e4u\u00dfere Sinneswelt uns augenblicksweise g\u00e4nzlich entschwindet. Dann wachen wir f\u00fcr unsere Seele und schlafen f\u00fcr die Au\u00dfen-Welt. Und was sich an alle Seeleninhalte \u2013 innere wie \u00e4u\u00dfere \u2013 als ein Gef\u00fchl kn\u00fcpft, hat Traumcharakter. Es ist nur begrenzt dem vollbewussten Einfluss zug\u00e4nglich, ist geeignet, uns mit zu rei\u00dfen wie das Geschehen in einem Traum, und oftmals auch, unseren Willen aufzurufen und zu lenken.<\/p>\n\n\n\n<p>Was unser eigenes Tun, den Prozess der eigenen Willensentfaltung betrifft, wurde ja oben schon angedeutet, dass wir davon in der Regel kaum eine Wahrnehmung haben. Wir nehmen nur wahr: da ist innerseelisch ein Vorsatz, und anschlie\u00dfend erleben wir, wie dieser Vorsatz im Tun realisiert wird oder nicht. <em>Wie<\/em> wir es fertigbringen, dass aus dem erlebten Vorsatz (der sich aus einer Vorstellung oder einem Gef\u00fchl ergeben kann) die ausgef\u00fchrte Tat wird, das erleben wir nicht. Dar\u00fcber gibt es nur Theorien, Denkmodelle und dergleichen. Wir wissen es, wenn wir wahrhaftig bleiben wollen, aus dem eigenen Erleben nicht. <em>Das bedeutet, dass wir f\u00fcr das eigentliche Wollen schlafen<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">In der Zeit<\/h4>\n\n\n\n<p>Und eine weitere Beobachtung k\u00f6nnen wir machen bez\u00fcglich der Bewusstseinszust\u00e4nde in unserem Leben in der Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Wof\u00fcr k\u00f6nnen wir wachen? Das Wachbewusstsein ist zun\u00e4chst ein Duales, in dem das eigentliche Erleben und der Inhalt gegen\u00fcberstehen. Darum k\u00f6nnen wir wachen f\u00fcr alles, was schon geworden ist, was einen Gegenstand f\u00fcr uns abgeben kann, dem wir uns gegen\u00fcberstellen k\u00f6nnen. Das sind dann also Sinneseindr\u00fccke (die sich immer auf etwas beziehen, was schon da ist), Vorstellungsinhalte, Gedanken, auch Erinnerungen; bei etwas Bem\u00fchung k\u00f6nnen wir uns auch unseren eigenen Gef\u00fchlen so gegen\u00fcberstellen, brauchen dann aber schon denkende Besinnung dazu. Generell kann man also sagen, dass alles, was in unserem Denken als Inhalt auftaucht, Inhalt des Wachbewu\u00dftseins ist. Alles dies kommt uns aus der <em>Vergangenheit<\/em> zu, ist <em>Gewordenes<\/em>. Mit dem Denken fassen wir also das Vergangene.<\/p>\n\n\n\n<p>Wof\u00fcr schlafen wir? F\u00fcr alles, was noch in der <em>Zukunft<\/em> liegt, von dem wir also noch keinen Inhalt fassen k\u00f6nnen. Es ist dies der Bereich, in den hinein auch all unser Wollen gerichtet ist, und in den hinein wir durch unseren Willen wirken. Wir selber als unwahrgenommener Teil unserer allt\u00e4glichen Bewusstseinsverfassung sind also etwas Zuk\u00fcnftiges, was erst noch werden <em>soll<\/em>. Wir kennen uns eben selber noch nicht, k\u00f6nnen uns selber noch nicht gegen\u00fcbertreten. Wer sich selber so betrachtet, wird kaum in die Versuchung kommen, sich selbst als feststehendes Mass aller Dinge anzusehen. Denn er selber und seine Taten sind Glied eines noch unbekannten Ganzen \u2013 der Zukunft, die eben noch nicht in die Dualit\u00e4t des Wachens getreten ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dazwischen tr\u00e4umen wir. In jedem Augenblick der <em>Gegenwart<\/em>, jetzt, jetzt, jetzt und jetzt wieder. Die Gegenwart ist also nur die Grenze, halb wach und halb Schlaf, zwischen der Vergangenheit und der Zukunft. Niemals klar fassbar und doch auch nicht im Dunkel des Schlafes versinkend. Und wenn wir etwas davon wissen, ist es schon Vergangenheit. Was die n\u00e4chste Sekunde bringt, k\u00f6nnen wir nur vermuten, ahnen, wollen, bis wir sie erleben. Wir schwingen unaufh\u00f6rlich zwischen dem der Vergangenheit Gegen\u00fcberstehen und der Einheit des Zuk\u00fcnftigen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Menschenbegegnung<\/h4>\n\n\n\n<p>All diese Zust\u00e4nde spielen gleichsam oszillierend, ineinander \u00fcbergehend, eine Rolle bei jeder Begegnung von Menschen. Wie in den beiden in der Einleitung angegebenen Artikeln gezeigt, k\u00f6nnen wir mit unserem Wachbewusstsein, also vor allem den Sinneswahrnehmungen und den Gedanken, entweder unserem eigenen Wollen folgen, oder uns dem eines anderen hingeben. Beides gleichzeitig geht zun\u00e4chst nicht. Versinken wir ganz im Denken des Anderen, so schlafen wir f\u00fcr uns selber. Halten wir unser eigenes Denken dem anderen entgegen, so erleben wir unsere eigenen Gedanken und schlafen f\u00fcr die des Anderen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wollen wir einen Anderen also wirklich verstehen, so bleibt uns nur der Weg, uns seinem Gang des Denkens hin zu geben. Dann versinkt aber unser eigenes Selbstbewusstsein, vergisst sich selbst. Das ist der Grund, warum es so schwer ist, l\u00e4ngeren Gedankeng\u00e4ngen eines Anderen aufmerksam zu folgen, ohne \u2013 einzuschlafen. Es sei denn, er baut immer wieder Pausen f\u00fcr uns ein, in denen wir aufwachen k\u00f6nnen. Oder \u2013 und das w\u00e4re ja dann das anzustrebende Ideal \u2013 wir lernen nach und nach, den Anderen so in uns zu erleben, wie er sich selber erlebt. Dann erst ist die volle Hingabe erreicht, und wir k\u00f6nnen ihn <em>ganz<\/em> verstehen. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir in diesem Verstehens-Augenblick aber auch die eigene irdische Pers\u00f6nlichkeit <em>ganz<\/em> vergessen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegenseitiges Verstehen erfordert dann, dass beide Seiten sowohl dem Anderen hingegeben zuh\u00f6ren k\u00f6nnen, als auch beim Sprechen sich immer bem\u00fchen, den Anderen so in die eigene Darstellung aufzunehmen, dass er darin sich selber finden kann. Dann bleibt er auch wach. Dann h\u00e4tten wir die wahren Begegnung des Menschen mit sich selbst im Anderen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Menschheitsentwicklung<\/h4>\n\n\n\n<p>Der Mensch, wie er heute geworden ist, erlebt sich zun\u00e4chst als Einzelner, Vereinzelter. Denn seine Welt kann niemand genau wie er erleben, und seinen Werdegang hat niemand genau wie er durchlaufen. Darin sind sich aber alle Menschen gleich.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir k\u00f6nnen noch davon wissen, dass dies nicht zu allen Zeiten so war. Wie auch bei manchen Naturv\u00f6lkern noch heute \u00fcblich, erlebten die Menschen sich in fr\u00fcheren Zeiten viel mehr als Bestandteil eines gr\u00f6\u00dferen Ganzen, das sie als \u00fcber dem Einzelnen stehend ansahen. Es gibt Berichte von Angeh\u00f6rigen solcher V\u00f6lker, die es wie eine wirkliche Selbstvernichtung erlebten, wenn sie aus dem Stamm ausgesto\u00dfen wurden; der Tod war weniger schlimm, denn dann blieb man dem Ganzen, dem als <em>eigentliches Selbst<\/em> erlebten Stamm weiter verbunden. All das ist aber nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df; nur Rest aus uralten Zeiten rumoren noch in nationalistischen, v\u00f6lkischen und anderen Ideologien. Dass sie der heutigen Zeit nicht mehr entsprechen, l\u00e4\u00dft sich unschwer an der zerst\u00f6rerischen Wirkung erkennen, die sie in der heutigen Gesellschaft aus\u00fcben, vor allem dadurch, dass sie nicht das klare, wache Denken, sondern direkt untergr\u00fcndig g\u00e4rende Emotionen ansprechen. Der wirklich in der heutigen Zeit angekommene Mensch ist das vereinzelte, selber denkende und dadurch frei gewordene Individuum, das sich ganz selbstverst\u00e4ndlich niemals einer \u00fcbergeordneten Gesamtheit <em>unterordnen<\/em>, allenfalls selbstbestimmt <em>einordnen<\/em> will.<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Vereinzelung liegt aber ein Riesenproblem. Jedes Einzelnen Welt unterscheidet sich von derjenigen jedes Anderen. Gegens\u00e4tze entstehen so immer schneller und leichter, und mit dem Verfall der alten Gruppenstrukturen, mit dem Verfall von festen Moralregeln reduziert sich die Regulierung des Miteinanders auf ein durch \u00e4u\u00dfere Gewalt gest\u00fctztes Einander-m\u00f6glichst-wenig-Schaden.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Ausblick<\/h4>\n\n\n\n<p>Schauen wir noch einmal auf die Zeit: <em>fr\u00fcher<\/em> lebten die Menschen in gr\u00f6\u00dferen Zusammenh\u00e4ngen, sahen darin ihre eigene Menschlichkeit, und lebten daher auch aus von diesen gr\u00f6\u00dferen Zusammenh\u00e4ngen gepr\u00e4gten inneren Haltungen, Ganz selbstverst\u00e4ndlich nahm jeder Einzelne R\u00fccksicht auf das Wohl des f\u00fcr ihn sichtbaren Ganzen. Wer sich daraus l\u00f6ste, wurde versto\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute sind wir gleichsam alle solche Versto\u00dfene. Jeder kennt zun\u00e4chst wirklich nur sein eigenes Erleben, und kann nur aus diesem entscheiden, was er tun und lassen will. Insofern ist er frei. Jeder Versuch, diesen Riesenschritt in die Freiheit des Einzelnen zur\u00fcckzudrehen, die Menschen wieder zu Ent-individualisieren und zu reinen Gruppenwesen zu machen kann heute nur als der Versuch angesehen werden, den Menschen zu versklaven. Von sich aus ist er nicht mehr bereit, bedingungslos sich einem vorgegebenen sogenannten \u201eH\u00f6heren\u201c zu unterwerfen. Auf die Spitze getrieben, scheint daher eine Art Krieg aller gegen alle unausweichlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch: Nein! Denn wir k\u00f6nnen \u2013 und wollen aus innerstem Bed\u00fcrfnis \u2013 den Anderen kennen lernen. Denn er ist unser Spiegel. Wir brauchen ihn, um zu uns selber zu kommen. Was uns davon abh\u00e4lt, diesem Bed\u00fcrfnis zu folgen, sind die \u00dcberbleibsel uralter Vergangenheit und die Furcht vor unserer Unf\u00e4higkeit, uns dem Anderen hinzugeben und darin doch wir selber zu bleiben. F\u00e4higkeiten lassen sich aber nicht einfach so erwerben, sie wollen ge\u00fcbt werden. Und je mehr Menschen es \u00fcben, den Anderen durch hingebendes Zuh\u00f6ren verstehen zu wollen \u2013 auch und gerade dann, wenn uns nicht Sympathie zu ihm hin zieht \u2013 desto mehr kann einer im anderen aufleben, aufwachen, desto mehr k\u00f6nnen wir lernen, eben <em>nicht<\/em> einzuschlafen, wenn wir uns dem Anderen hingeben. Je mehr wir den Anderen wirklich verstehen, desto mehr k\u00f6nnen wir uns ihm auch verst\u00e4ndlich machen, indem wir seine Denk- und Erlebenswege in unseren Sprechen und Tun ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kann nach und nach, in \u00c4onen, so wie auch die heutige Menschheit entstanden ist, eine <em>neue<\/em> <em>gemeinsame <\/em>\u201eIdentit\u00e4t\u201c der Menschen entstehen, eine, die nicht den Einzelnen ausschlie\u00dfen muss, wenn er den vorgegebenen Regeln nicht folgt, sondern die dann die Kraft entfalten kann, scheinbar divergierende individuelle Wege aus <em>freiem Wollen <\/em>zu einander zu lenken. Die daf\u00fcr n\u00f6tige, frei wollende Hingabe an den Anderen ist aber nichts anderes als die <em>Liebe<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein <em>solches, aus Liebe geborenes<\/em> \u201eGemeinschafts-Ich\u201c  ist gleicherma\u00dfen unviersell und individuell, denn es schlie\u00dft den Vereinzelten nicht aus, sondern braucht ihn und seinen freien Willen als seine eigene Vorbedingung. Es kn\u00fcpft an bei dem, was schon heute alle Menschen in gewissem Sinne gleich macht: das freie Erleben der Welt als mehr oder weniger (noch) unbekanntes Geist-Wesen.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Vereinzelung und den menschheitlichen Problemen, die dadurch entstehen und in unserer Zeit kulminieren, k\u00f6nnen wir daher einen Aufruf sehen, aufzuwachen f\u00fcr das Kommende, das sich ank\u00fcndigen und realisieren kann in jeder wirklich bewusst durchlebten Menschenbegegnung, aufzuwachen also im \u201eHineinschlafen\u201c in den Anderen, und damit f\u00fcr den kommenden, zuk\u00fcnftigen MENSCHEN.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Auf dass der MENSCH sich selber mache, und nicht gemacht werde durch irgendwen oder irgendwas!<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von einem ganz anderen Gesichtspunkt aus komme ich hier nochmals auf die Bedeutung der menschlichen Begegnung im Zusammenhang der Gesamtentwicklung der Menschheit in unserer Zeit zur\u00fcck.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":869,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[267],"tags":[314,203,207,155,287,206,254,263,316,52],"class_list":["post-2338","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geisteswissenschaft","tag-das-kommende","tag-entwicklung","tag-geisteswissenschaft","tag-gesellschaft","tag-mensch","tag-neues-denken","tag-sonntagsgedanken","tag-soziales-leben","tag-texte","tag-titel"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.8 - 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