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Geistwesen Mensch

Ein etwas ungehöriger Aufruf

Es ist sinnlos, es leugnen zu wollen: der Mensch ist ein Wesen, dessen Urkern Geist ist, nur Geist und nichts anderes. Macht er sich Gedanken über seine Substantialität, so sind diese Gedanken eben – Geist. Oder woraus bestehen Gedanken sonst? Wenn wir glauben, Gedanken seien nur eine Illusion und eigentlich elektrische Ströme im Gehirn, so ist eben dieser Glaube – ja, was denn, nichts als Geist! Denn erst müssen die Gedanken über elektrische Ströme, Gehirn usw. gebildet werden, durch den Menschen, ehe wir daran glauben können. Und sie sind unsichtbar, nicht-sinnlich, un-sinnlich. Im Übrigen genauso wie der (gedachte!) Strom, den auch niemand sehen kann, betasten, sinnlich erkunden; man kann nur messen (oder spüren), was man für seine Wirkung hält aufgrund dieser oder jener Theorie, die eben jemand – gedacht hat. Es hilft also nichts: wenn wir versuchen, des Menschen innerstes Wesen zu ergründen, eben das, was gerade im Ergründen-Wollen tätig wird, finden wir nur Geist.

Sicher, der Mensch hat allerlei andere Dinge, die er sein Eigen nennt – Leib, Welt, Seele, Gefühle, Gedanken, Ideale, Vorlieben, Abneigungen etc. pp. –, und davon sind einige sehr handfest und materiell. Aber lange nicht alle. Oder haben Sie schon mal eine Wut gestreichelt? Na also, auch beim Haben ist lange nicht alles geist-los, manches sogar reiner Geist, wie z.B. die Wut – oder die Gedanken, siehe oben.

Warum aber diese Auseinandersetzung überhaupt? Nun, ganz einfach. Der Mensch will doch wissen, wer er ist, wo er herkommt und wohin er geht. Darüber ist uns allen eingetrichtert worden, dass wir z.B. aus organischer Materie entstanden sind, mehr oder weniger zufällig, und beim Tode würde diese wieder zerfallen, und dann sind wir eben einfach weg. In der Kirche gibt es vor allem über das Letztere noch andere Geschichten, aber bei denen wird dann gleich dazu gesagt, dass man das alles nicht wissen könne und daher eben glauben müsse. Aber woher wissen das dann die, die uns das erzählen? Können die uns nicht viel erzählen, was dann vielleicht – o Schreck – am Ende gar nicht wahr ist? Im Ergebnis wird uns also eingetrichtert, dass wir eine zufällige, also sinnlose Zusammenballung organischer Materie sind, die eben kommt und geht, egal. Und wer das nicht glauben will, glaubt eben den Priestern und lässt sich von denen gängeln, einfach weil das vielleicht besser gefällt. Einen Sinn im eigenen Leben kann man so jedenfalls nicht wirklich finden.

Bemerkt der Mensch aber, dass er ein Geistwesen ist (und – konsequent gedacht – dann alle anderen Menschen ebenso wie Tiere, Pflanzen, Steine, Engel, Teufel, Seelenregungen, Gedanken, Ideen, Irrtümer, Wahrheiten, Lügen und so weiter auch), dann hat er sofort andere Möglichkeiten, sich über das eigene Woher und Wohin aufzuklären. Denn er weiß jetzt eines: alles, was er da finden kann bei seiner Suche, ist ebenso wie er selber Geist. Alle Teufel, alle Götter, alle Schöpfungstaten usw. sind Glieder derselben geistigen Welt, in der der Mensch jeden Tag und jede Nacht lebt, und der er nicht entfliehen kann, weil es grundsätzlich gar keine andere Welt gibt. Alles, was ist, entstammt für uns heutige Menschen in dem Augenblick, wo wir es erkennen, uns selber, unserer Welt, also: der geistigen Welt. Es gibt kein Entrinnen.

Dafür aber grandiose Erkenntnismöglichkeiten. Denn wenn ich die Situation, die ich so feststelle, weiter durchdenke, finde ich nach und nach die Elemente, die dazu geführt haben, dass ich mir jetzt über mich als Geistwesen klar werde. Ich finde also durch mich, selber, ohne Gängelpriester, Wege zur allmählichen Erkenntnis meines realen Ursprunges. Der reale Ursprung meiner Selbst ist nämlich da, wo ich beginne, über mich, den Menschen, nachzudenken, und dieses Nachdenken auch bemerke. Die Erzählungen von Zusammenballungen organischer Materie als von meinem Ursprung sind Geschichten von Gängelpriestern der materialistischen Welttheorien des 19. Jahrhunderts, die man mir bloss eingebläut hat. Vielleicht wusste man es einfach nicht besser. Warum solche Theorien vielleicht daneben auch eine Zeitlang notwendig waren, darüber vielleicht ein anderes Mal.

Für jetzt reicht erst einmal die Feststellung: der Mensch – also ich – ist/bin ein Geistwesen unter vielen anderen Geistwesen. Mein Ursprung ist nur im Geiste fassbar, daher also geistig. Dann wird es meine Zukunft wohl auch sein. Also auf, lasst uns die Zukunft ergründen – im Geiste!

© Stefan Carl em Huisken 2023


Cover Wahnsinn und Denken Geistwesen

Denkerische Grundlagen für meine Darstellungen zur Situation der Gegenwart und der Bedeutung der Anthroposophie habe ich veröffentlicht in meinem Buch „Wahnsinn und Denken. Der Kampf um den Menschen“, das Sie hier oder im Buchhandel bestellen können.