Gegen die Resignation

Zu den aktuellen Entscheidungen über die Zukunft der Gesundheitsversorgung im Landkreis Aurich und in Emden hatte ich im Vorfeld einen Leserbrief an die örtliche Zeitung geschickt, den sie leider nicht gedruckt hat (aber da haben die bestimmt so viele Stellungnahmen, dass das Nicht-Drucken nichts zu sagen hat). Schaut man sich das Ergebnis besonders in Norden genauer an, so scheine ich aber mit meinen Einschätzungen nicht gerade daneben gelegen zu haben.

Darum stelle ich den Text jetzt hier mal auf meine Website:

Gegen die Resignation

Bezüglich des anstehenden Bürgerentscheids über den Erhalt der Krankenhäuser in Norden, Aurich und Emden regiert bei manchen inzwischen schon Politikverdrossenheit die eigenen Entscheidungen; Resignation gegenüber dem Ungewollten macht sich breit und führt zu Abstimmungen gegen den eigenen Willen. Schade, dass es so weit kommen musste.

Dass die Krankenhaus-Finanzierung schwieriger geworden ist, bestreitet niemand. Die Fallzahlenregelungen und viele andere Details sind dafür verantwortlich. Sie sind Ergebnis einer Politik, die das Gesundheitswesen nicht als unverzichtbare Infrastruktur für die Bürger betrachtet, sondern es dem aus der Industrie stammenden Rationalisierungsgebot: „mehr, schneller, billiger“ unterstellt. Daraus ergibt sich dann auch, dass Ärzte die Qualität ihres eigenen Arbeitsplatzes durch die Größe gewahrt sehen (vielleicht auch die Höhe ihres Einkommens oder die Möglichkeiten, das eigene Renommée zu steigern). Da will ich gar nicht moralisieren: auch das ist ein Ergebnis einer solchen Gesundheitspolitik.

Wenn ich mich damit abfinde und sage: da kann man sowieso nichts machen, mag das auch noch angehen. Aber dann GEGEN die bestehenden, wohnortnahen Strukturen und damit für das Ergebnis einer solchen Politik in Form einer Zentralklinik stimmen? Ich kann das nicht nachvollziehen. Dass auch kleinere Krankenhäuser trotzdem bestehen können, dafür gibt es Beispiele genug, und auch kompetente Einschätzungen für unseren Fall.

Es mag ja auch sein, dass in der Vergangenheit von verantwortlichen Personen so gearbeitet worden ist, dass insbesondere das Norder Krankenhaus nach und nach „entkernt“ wurde – seit der Fusionierung mit Aurich kann man stark diesen Eindruck haben. Dann aber mit dem Argument „Es ist sowieso beschlossen, dass in Norden alles weg kommt, so oder so. Und dann ist Georgsheil näher als Aurich.“ gegen die Standorte Norden, Aurich und Emden zu stimmen, obwohl einem doch eigentlich Norden am Herzen liegt, das ist meiner Ansicht nach Resignation am falschen Platz. Eine solche Haltung macht sich aber zunehmend breit. Extrem schade, und vielleicht auch manchem Akteur gegenüber etwas ungerecht.

Dass die drei Häuser eine Chance haben, wenn denn wirklich GEWOLLT wird, scheint nach allen vorliegenden Informationen klar. Aber es muss dann auch WIRKLICH gewollt werden.
Mir liegt dieser wirkliche Wille mehr am Herzen als weitere Industrialisierung des Gesundheitswesens. Und Resignation hat noch niemals wirklich weiter geholfen.
Meine Stimme ist daher „JA“ zu den drei bisherigen Standorten.

Stefan Carl em Huisken

Nachbemerkung: Natürlich gibt es viel – teilweise auch berechtigte – Kritik an den Verhältnissen im Norder Krankenhaus. Aber: WER hat diese Verhältnisse WARUM so gemacht? Der sogenannt „multilaterale Sachzwang“ ist meiner Ansicht nach immer nur eine (sehr schlechte) Ausrede …

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